Was macht ein Gartenarchitekt, Herr Henrichsen?
TEXT UND INFO ZUM FILM
Was macht er also?
Ein Gartenarchitekt macht Vorschläge. Der Garten soll ganz nach den Wünschen und Vorlieben des Kunden entstehen. Dazu macht ihm der Gartenarchitekt auf vielen Stufen des Gestaltungsprozesses immer wieder neue Vorschläge, die der Kunde nach seinen eigenen Vorstellungen auswählen und steuern kann.
Die ersten Vorschläge werden meist als einfache Skizzen angeboten. Oft sind es zwei bis drei unterschiedliche Skizzen, die dem Kunden als Anregungen für eine mögliche Grundrichtung der Gestaltung vorgeschlagen werden: eher modern, eher klassisch, eher winklig, eher rund, eher intensiv, eher zurückhaltend usw.
Das erste und wichtigste Arbeitsmittel des Gartenarchitekten ist dabei das Transparentpapier. Es wird über einen Grundriß des Gartens gelegt und dann mit Bleistift und Radiergummi bearbeitet.
Hier entstehen schon die ersten Leitideen einer künftigen Gestaltung. Wenn diese inhaltlich gut zusammenhängend sind, kann man sie ein Konzept nennen. Eine gute Gestaltung hat immer ein starkes Konzept, also einen inneren Zusammenhalt und eine gut begründete Leitidee.
Auf die Skizzen folgen Entwürfe in wachsender Detailliertheit. Es wird in die Darstellung Farbe ergänzt, die Linien werden nicht mehr mit der Hand gezogen, sondern mit dem Lineal (oder dem Computer), es werden die einzelnen Pflanzen und Materialien festgelegt usw.
Auch kann ein Modell angefertigt werden, so daß man sich die künftige Gestaltung besser optisch vorstellen kann. Genau wie eine schnelle Skizze auf dem Papier kann auch ein Modell mal ganz schnell und einfach hergestellt werden (aus Materialien wie Papier, Pappe, Eisenwolle, Knetmasse o.ä.) - und es erreicht schon das Ziel, ein erstes Gefühl für Volumen und Proportionen zu vermitteln.
Aufwendige Modelle, wie jenes im Film, sind dagegen eher selten und nur für Gartenprojekte mit besonders großem Budget denkbar.
Ganz am Ende steht dann der "Plan", also eine endgültige, maximal detaillierte Darstellung auf Papier, in die der Gartenarchitekt sein ganzes Können und Wissen eingebracht hat.
Das Konzept
Das Leitmotiv einer Gartengestaltung kann aus vielen Ecken kommen. Zum Beispiel aus den persönlichen Interessen des Gartenbesitzers (siehe Film: ein Interesse an Geschichte führt zu einer Gestaltung mit Zitaten aus Renaissance- und Barock-Gärten).
Oder das Konzept wächst aus der gegebenen Topographie des Gartens (im Film: die Hanglage motiviert eine Terrassierung als Leitmotiv).
Leitprinzipien für eine Gestaltung werden auch oft von der Architektur des zugehörigen Hauses abgeleitet (dessen Baustil, Formen, Farben, Materialien) oder von der Region und Landschaft der weiteren Umgebung (Besonderheiten, Traditionen usw).
Es gibt Gärten, deren Gestaltungskonzept auf spirituelle Gedanken zurückgeht, oder auf eine Lieblingsfarbe, oder auf den Inhalt eines Lieblingsbuchs, oder die Lust an einer fernen Kultur. Alles ist denkbar, nichts verbietet sich als Ansatz für eine originelle und sehr persönliche Gartengestaltung.
Der Gartenarchitekt wird nach diesen Ansätzen suchen und sie im Gespräch mit dem Kunden entweder aus diesem herauslocken oder selber vorschlagsweise einbringen. Der eine Kunde wird es dabei schätzen, daß man ihm eher Ideen "serviert", der andere wird es vorziehen, selber die Ideen zu generieren.
Die Aufgabe des Gartenarchitekten ist es dann, das gestalterische Potential der Ideen zu erkennen und diese in eine konkrete Gartengestaltung umzuwandeln.
Am Ende ist für eine gute Gestaltung nur entscheidend, daß tatsächlich ein Konzept entstanden ist. Das heißt, daß die Gestaltung nicht ein eher zufälliges, loses Sammelsurium von Einzelideen und Bausteinen geworden ist, sondern einen festen, inhaltlichen Zusammenhalt hat.
Darauf verweist Klaus Henrichsen im Film unter anderem, wenn er an die wichtige Einheitlichkeit der Materialien erinnert. Sie sind ein Teilthema jeder Gartengestaltung und genauso wichtig wie die Bepflanzung. Auch die Materialien müssen - pars pro toto - ein klares Eigen-Konzept haben und sich damit in die Gesamtkonzeption stimmig einfügen.
Ein Gartenarchitekt - Ja oder Nein?
Klar, eine professionelle Gestaltung kostet. Wieviel? Das kann man nach eigenem Belieben selber steuern. Oft ist es schon eine gute Lösung, einen Gestaltungsprofi nur für den allerersten Schritt heranzuziehen: eine erste Grundidee für die Richtung der künftigen Gestaltung zu bekommen.
Welcher Stil paßt zu meinem Garten - und zu mir? Wohin sollte ein Freisitz? Wie können Wege optimal verlaufen? ... Solche einfachen, grundsätzlichen Überlegungen lassen sich schon beim ersten Kontakt mit einem Gartenarchitekten konkretisieren. In schnellen Skizzen wird der Profi viel von seiner meist mehrjährigen Erfahrung einfließen lassen.
Auf diesem Grundgerüst kann man dann die weitere Gestaltung aufbauen - mit oder ohne den Gartenarchitekten. Der erste Kontakt liefert also wertvolle Richtungsvorgaben - und dient zugleich zum Kennenlernen und Einschätzen des Profis. Hat man dann Lust bekommen, mit ihm ein Stück weiter zu gehen, kann man das tun ... oder auch lassen.
Auf diese Weise bleibt die Zusammenarbeit mit dem Gartenarchitekten immer flexibel und in den Kosten überschaubar. Entwickelt der kreative Prozeß sich fruchtbar und harmonisch, kann man den ganzen Weg bis zum fertigen Garten zusammen gehen. Aber man muß es nicht.
Klaus Henrichsen weist darauf hin, daß sich sogar die Kosten eines Gartenarchitekten wieder "rentieren" können. Das ist gar nicht so abwegig, wie man zunächst glauben möchte. Denn ein fachmännisch geplanter Garten kann auch im künftigen Unterhalt deutlich weniger Aufwand bedeuten.
Weniger potentielle Unkrautflächen, besser mähbare Rasen, Baumarten in richtiger Wuchsgröße, standortgerechte und langlebige Stauden und Sträucher, eingebaute Bewässerungssysteme ... es gibt sehr viele Beispiele, wie eine fachmännische Planung die Unterhaltskosten eines Gartens für die Zukunft reduzieren kann. Da läßt sich tatsächlich Geld und vor allem Zeit sparen.
Die meisten Gartenbesitzer, die sich den Garten in der Vergangenheit professionell haben planen lassen, werden besonders diese Erkenntnis bestätigen. Und damit relativiert sich das Argument der Kosten ...
Vor allem kann man davon ausgehen, daß der Lustgewinn eines geplanten Gartens die Beteiligung eines Profis lohnend macht. Schon das Verschwinden vieler lang angewöhnter Frustrationen (Unkraut, kurzlebige Pflanzen, wuchernde Pflanzen usw.) ist eine Freude. Dazu kommt der Genuß an einem stimmigen, harmonischen Gesamtbild und durchdachten Details.
So sprechen also viele Argumente für einen Gartenarchitekten (Vorsicht! Der Autor dieser Zeilen ist selber einer ...). Wer es daher mit der Freude am Garten ernst meint, sollte durchaus mal einen Versuch in die Richtung der fachmännischen Gestalter wagen.




Ich wusste auch nicht, dass
Ich wusste auch nicht, dass Gartenarchitekten soviel verdienen können =)
Sina, Zinsvergleich
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