Sträucher vermehren per Steckholz - Teil 2
TEXT UND INFO ZUM FILM
Es rauscht so sehr ...
Ja, in diesem Film rauscht es wirklich, weil während des Drehs auf das Glasdach über uns ein feiner, holsteinischer Landregen trommelte. Zum Glück hatten wir an dem Tag uns ein Unter-Glas-Thema vorgenommen ...
Die Steckholz-Vermehrung
... ist nicht zu verwechseln mit der Stecklings-Vermehrung. Der Steckling wird im (Früh-)Sommer geschnitten, das Steckholz im Winter. Beide aber schaffen genetische "Klone" der Mutterpflanze.
Welche Pflanzen?
Viele typische Blütensträucher wie Spireen, Schmetterlingsstrauch, Forsythien, Deutzien lassen sich über Steckholz vermehren. Entscheidend ist, daß die Strauchart eher unkompliziert und schnell wächst. Wenn sie nach einem kräftigen Rückschnitt willig und zügig wieder austreibt, dann müßte sie sich auch per Steckholz vermehren lassen.
Beim Obst sind Johannisbeeren, Stachelbeeren und Wein Kandidaten für diese Technik. Interessant ist sie auch für Rosen, wobei nur die starkwüchsigen Strauch-, Kletter- und Ramblerrosen in Frage kommen, da diese auch ohne Veredelungsunterlage kräftig genug wachsen.
Besonders interessant ist die Technik für den, der sich eine eigene Hecke selber ziehen möchte. Denn der Liguster, also ein wintergrüner Heckenklassiker, läßt sich gut aus Steckholz ziehen.
Extrem leicht bewurzeln alle Weiden, über Steckholz oder auch Stecklinge. Hier ist das Steckholz die vielleicht einfachste und unaufwendigste Methode für den, der Weiden in Massen benötigt (um daraus z.B. Zäune oder andere lebende Bauwerke zu flechten).
Merke: Viele Sträucher sollte man auf diese Technik hin einfach selber ausprobieren. In den Baumschulen werden nur solche Pflanzen per Steckholz vermehrt, bei denen die Erfolgsquote garantiert hoch ist. Aber für den Privatgärtner kann auch ein Erfolg von nur 20% oder 50% der probeweise gesteckten Hölzer schon eine prima Sache sein.
Und als Gärtner ist man sowieso immer wieder überrascht, wieviel ungeahnter Lebenswille in vielen Pflanzenteilen steckt. Da wurzeln selbst herabgefallene Blätter (Fetthenne), niedergesenkte Äste (Rhododendron), Wurzelreste (Türkischer Mohn) und natürlich die Stecklinge, Schnittlinge, Rißlinge, Veredelungsreiser usw.
Der Aufwand beim Steckholz ist ja gering, die meisten Sträucher schneidet man im Winterhalbjahr sowieso zurück, da kann man auch mal die einjährigen Triebe aus dem Schnittgut herausziehen und probeweise zu Steckhölzern verarbeiten.
Wann?
Steckhölzer werden in der Wachstumsruhephase geschnitten, also im Spätherbst nach dem Laubfall, nicht vor Mitte November. Dann durch den Winter hindurch, aber nicht später als bis etwa in den Februar. Denn bei vielen Sträuchern beginnen schon die "Säfte zu steigen", wenn der Winter für uns gefühlt noch andauert.
Der experimentierfreudige Gärtner kann aber durchaus auch Erfolg mit Steckhölzern haben, wenn er sie erst im März schneidet und gleich in den Erdboden steckt. Bei günstigem Zusammenspiel von Wetter und Temperatur können auch so die Hölzer gut anwurzeln.
Welche Mengen?
a. Kleine Mengen
Die meisten Zier- und Beerensträucher wird man nur in relativ kleinen Mengen für den Eigenbedarf oder als gärtnerisches Geschenk vermehren wollen. Da ist es am einfachsten, die Steckhölzer direkt nach dem Schnitt in Töpfe zu stecken.
Der Topf sollte dabei mindestens 20 cm hoch sein, damit man die Hölzer bis zur obersten Knospe in das Pflanzsubstrat hineinschieben kann, ohne daß sie unten anstoßen.
Die Topfkultur hat zuerst den Vorteil, daß man seine Steckhölzer vor Frost schützen kann, indem man sie an einen zwar kalten, aber frostgeschützen Standort stellt (Schuppen, Garage, ungeheizter Raum). Das Pflanzsubstrat sollte nach dem Stecken nie durchfrieren.
Dann, im Frühjahr und Sommer, hat man die Töpfe immer gut im Auge und kann sie an einen pflegetechnisch günstigen Standort stellen (nahe dem Gartenschlauch, denn das Feuchthalten ist im Sommer sehr wichtig!).
Ab Herbst lassen sich die bewurzelten Steckhölzer im gleichen Topf auch als nettes Geschenk weiterreichen. Ansonsten löst man dann oder im nachfolgenden Frühjahr die Topfgesellschaft auf, trennt die Wurzeln vorsichtig voneinander und kultiviert die jungen Sträucher einzeln im Gartenboden weiter.
b. Große Mengen
Wer es den Baumschulen nachtun will und Sträucher in Mengen reproduzieren möchte, der wird sich nicht auf eine Topfkultur einlassen. Ökonomischer ist es dann, die Steckhölzer direkt in den Gartenboden zu bringen, zum Beispiel in Reihen im eigenen Anzuchtsbeet.
Jedoch kann das nicht schon im Winter geschehen, weil dann der Frost die Steckhölzer wieder aus dem Boden emporarbeiten wird und auch das Gewebe der Hölzer schädigt.
Deshalb muß man die Steckhölzer nach dem Schnitt zunächst zwischenlagern, am besten in einer verschlossenen Plastiktüte im Kühlschrank. Erst im März nach der kräftigsten Frostperiode steckt man die Hölzer dann in den aufgetauten Gartenboden.
Dort bleiben sie bis zum nächsten Frühjahr stehen und werden immer gut feucht gehalten. Anschließend versetzt man die bewurzelten Sträucher in größere Abstände oder an den endgültigen Standort.
Diese Methode wird derjenige wählen, der sich etwa eine eigene Liguster-Hecke ziehen oder lebende Bauwerke aus Weiden gestalten möchte.
Welches Schnittmaterial?
Generell nimmt man das kräftige, letztjährige Holz für die Verwendung als Steckholz. Man erkennt es meist leicht daran, daß die Rindenfarbe noch hell und frisch ist und es keine oder nur wenig Seitenbeastung an den Trieben gibt.
Bei der Johannisbeere etwa ist das Alter der Triebe leicht an der Rindenfarbe und der Beastung zu erkennen. Dunkle Triebe sind alt und für diese Verwendung ungeeignet. Junge, einjährige Triebe sitzen oft am äußeren Strauch, können aber auch von der Strauchbasis her emporkommen.
Von diesen einjährigen Trieben schneidet man die Steckhölzer am besten von unten herauf ab. Am besten sind die kräftigen, unteren Teile. Der oberste Bereich des Triebes ist dünn und weich und als Steckholz unbrauchbar. (Er würde sich gar nicht in die Erde schieben lassen).
Die Steckhölzer schneidet man etwa in der Länge der Rosenschere, die man in der Hand hält, also zu 15 - 20 cm langen Stücken. Dabei setzt man die Schere am unteren Ende des Steckholzes so an, daß man gerade unterhalb eines Auges schneidet. Das Auge ist der leicht erkennbare Ansatz neuer, künftiger Austriebe am Holz.
Wenn das Steckholz dann in die Erde gesteckt wird, werden die Augen umfunktioniert zu Austriebsstellen von Wurzeln. Nur das oberste Auge, welches oberirdisch bleibt, wird einen neuen Trieb ausbilden.
Vor allem aber an der unteren Schnittstelle des Steckholzes werden sich neue Wurzeln bilden. Deshalb ist es nicht falsch, das untere Ende schräg zu schneiden, damit eine möglichst große Schnittfläche entsteht.
Dagegen setzt man den Schnitt am oberen Ende des Steckholzes gerade an, denn hier soll möglichst wenig krankheitsanfällige Wundstelle entstehen.
So kann man dann an der Form der Schnittstelle auch immer gut feststellen, wo beim Steckholz oben und unten ist. Oben ist die gerade Schnittstelle, unten die schräge. Denn beim Stecken ist es wichtig, das Holz richtig herum in die Erde zu bringen.
Den oberen Schnitt des Steckholzes setzt man wiederum so an, daß man gerade ein Auge mitnimmt. Aus diesem Auge nämlich wird sich der neue Trieb des bewurzelten Steckholzes bilden. Bis zu diesem Auge schiebt man das Steckholz auch in die Erde herab. Das Auge ist also sehr wichtig. Was oberhalb des Auges liegt, wird dann vertrocknen und verfaulen. Also läßt man hier nicht mehr als einen halben bis einen Zentimeter stehen. (Aber auch nicht weniger, um das Auge auf keinen Fall zu verletzen!)
Anschließend trennt man vom Ausgangsmaterial wieder unterwärts ein kurzes Stück ab, sodaß das nächste Steckholz wieder gerade unterhalb eines Auges ansetzt. Und so weiter. Die letzten, dünnen 20 - 30 cm des obersten Triebbereichs wirft man weg.
Schneiden und stecken
Hat man die Steckhölzer geschnitten, schiebt man sie bis zum obersten Auge in das Pflanzsubstrat hinein. Als Substrat eignet sich ein leichter Boden, der zusätzlich noch mit Sand aufgelockert wird. Denn die neuen, zarten Wurzeln sollen möglichst wenig Widerstand beim Wachsen haben. Am besten nimmt man Pflanzerde, die locker und bereits mit Nährstoffen angereichert ist.
Gleichwohl füllt man das Substrat fest und gut angedrückt in den Topf. Es ist wichtig, daß besonders das untere Ende des Steckholzes rundherum dicht an die Erde anschließt. Hohlräume und Luft im Substrat sind dem Anwurzeln abträglich.
Wie bei der Stecklingsvermehrung auch, wird die Verwendung eines bewurzelungsfördernden Hormons in Pulverform empfohlen. Man taucht die Steckhölzer am unteren Ende darin ein. Damit bekommt man auch ein zusätzliches, optisches Erkennungsmerkmal zur Unterscheidung von oben und unten am Steckholz.
Das Erkennen der Wuchsrichtung am Steckholz ist in den meisten Fällen an der Ausrichtung der Augen gut zu erkennen. Sie sind nach oben gerichtet, und entsprechend schiebt man das Steckholz auch ins Substrat hinein. Ein falsch herum gestecktes Holz kann nicht anwachsen.
In einen üblichen Topf, wie man ihn im Film sieht, steckt man bis zu 3 Steckhölzer. Die bewurzelten Pflanzen werden nach einem Jahr dann wieder auseinander genommen, indem man die Topfgesellschaft vorsichtig trennt. Sträucher sollte man, anders als etwa Sommerblumen oder Stauden, keinesfalls in Kleingruppen ziehen.
Schneiden und zwischenlagern
Wer die Steckhölzer in Mengen schneiden und reihenweise gleich ins Freiland stecken will, der zwischenlagert sie bündelweise für 2-3 Monate im Kühlschrank. Dazu umfaßt man ein Bündel mit einem Gummiband, schiebt es in einen üblichen Tiefkühlbeutel aus Plastik, knotet diesen zu und legt es im Kühlschrank ab.
Ab März dann steckt man die Hölzer direkt in den Gartenboden. Auch da den Boden in Reihen oder Rillen mit dem Spaten etwas lockern, anschließend wieder andrücken und dann die Hölzer hineinschieben, leichtgängig und locker, aber dicht und rundum fest zugleich. Als Abstand wählt man 10 - 15 cm, nur das oberste Auge schaut am Ende noch heraus.
Eine Abdeckung mit Rindenmulch oder Kompost hält die Feuchtigkeit im Vermehrungsbeet. Eine Schattierung ist vorteilhaft.
Weitere Pflege
Ganz wichtig ist, daß nach dem Stecken der Boden niemals ganz austrocknet. Die zarten, jungen Wurzeln sind sehr empfindlich und würden sofort versagen. Daher vor allem im Sommer die Töpfe mit den Steckhölzern immer dort aufstellen, wo der Wasserschlauch nicht weit ist. (Günstigerweise an eine beschattete Stelle, sodaß die Töpfe nicht allzu schnell Feuchtigkeit verlieren).
Ansonsten hat man mit den Steckhölzern überhaupt keine Arbeit. Über Frühjahr und Sommer bewurzeln sie und entwickeln einen neuen Trieb, der sich aus dem obersten Auge hervorschiebt.
Diesen sollte man im Herbst dann auf bis zu 20 cm oberhalb des alten Auges herunterkürzen, damit der Strauch sich von Anfang an gut verzweigt. Im Herbst oder im folgenden Frühjahr trennt man die Topfgesellschaft, zieht die ineinander gewachsenen Wurzeln vorsichtig auseinander und verpflanzt den neuen Strauch an einen Ort, wo er sich mit mehr Platz ausdehnen kann.




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