Schatten-Juwel Alpenveilchen (herbstblühendes)

vom 01. Okt. 2010
Prächtige Blütenteppiche, die in jeden Garten passen, erklärt Prof. Hans-Dieter Warda
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TEXT UND INFO ZUM FILM

Drehort:
Arboretum Ellerhoop-Thiensen, Schleswig-Holstein
Länge:
8 Min.
Filmkatalog:Pflanzen
Moderator:
Marc Albano

Unkraut oder Alpenveilchen?

Die zentrale Frage! Denn so wunderbar, pflegearm und langlebig das Wild-Alpenveilchen auch ist, so unverträglich ist es doch für konkurrierendes Unkraut.

Es ist nun mal klein und niedrig. Und als solches wird man leicht überwachsen. Da muß der große Mensch hilfreich zur Seite stehen - oder aus der schönen Sache wird nichts.

Daher zuerst klären, ob man bereit ist, das Unkraut im Pflanzbereich langfristig zu kontrollieren!

Geheimtip: Kiefernunterpflanzung!

Eine geschickte Lösung ist es, die Alpenveilchen unter Kiefern anzusiedeln. Denn dort wächst ohnehin kaum etwas anderes. Das dauernde Herabrieseln der trockenen Kiefernnadeln und deren vegetationsfeindlicher Säuregehalt verhindert allgemein konkurrierenden Pflanzenwuchs - und damit auch halbwegs das Unkraut.

Das Alpenveilchen schätzt dagegen den Kiefern-Waldboden als natürlichen Wuchsstandort.

Daher ist hier die Konkurrenz nicht so groß, und die Mühen des Unkrautjätens sind etwas geringer.

Zu beachten: Kiefern mit hohem, freien Stamm lassen viel Sonne bis zu ihrem Wurzelbereich. Das ist wiederum ungünstig. Das Alpenveilchen will unbedingt halbschattig stehen! Vor allem darf es keine (Spät-)Wintersonne treffen.

Farbe in den Schatten bringen!

Das Alpenveilchen wünscht Halbschatten. Und das ist eigentlich bestens so! Denn es ist ja eine der größten Herausforderungen im Garten, Blütenpracht und Farbe in den Schatten zu bringen.

Da ist das Alpenveilchen eine hervorragende Lösung. Im Randbereich unter Sträuchern oder auch flächig unter höheren Bäumen bringt es kräftige Blütenakzente in ansonsten farbschwache Bereiche.

Im Herbst spielt die Musik ja vor allem in den Asternbeeten, und die stehen in voller Sonne.

Im Schatten dagegen wird das Alpenveilchen trumpfen. Begleitet übrigens von den Stauden-Fuchsien und den Herbst-Krokussen. (Auf höherer Etage auch Eisenhut und Herbst-Anemone).

Schatten ist Pflicht!

Das Alpenveilchen ist nicht für Sonnenpflanzung geeignet! Der helle Schatten ist aus mehreren Gründen wichtig:

> erstens ist das Alpenveilchen von Natur aus ein Waldbewohner und entsprechend genetisch programmiert

> zweitens schützt der Schatten die früh ausgetriebenden Blätter im späten Winter vor gefährlichen Sonnenstrahlen (alle Pflanzen mit wintergrünen Blättern fürchten diese Kombination von Frost plus Wintersonne! - sie zerstört das Blattgewebe)

> drittens bedeutet Schatten, daß höhere Gehölze über den Alpenveilchen im Winter auch die Frosteinwirkung am Erdboden etwas abmildern

> viertens ist im schattigen Bereich die Konkurrenz durch andere Pflanzen geringer

Daher unbedingt in den hellen Schatten pflanzen.

2 Arten von Alpenveilchen!

Die einen blühen im Herbst, die anderen im Frühjahr. Beide sehen sich in der Blüte sehr ähnlich, mit gleichem Farbangebot von Rosa und Weiß.

a) Cyclamen hederifolium

Das Efeublättrige Alpenveilchen (unser Film) ist der Herbstblüher. Sein Jahresrhythmus sieht so aus, daß die Blätter sich nach der Blüte im Spätherbst und Winter entwickeln, dann Energie tanken bis zum späten Frühjahr und anschließend einziehen.

Achtung: Während der Sommermonaten ist von diesem Alpenveilchen gar nichts zu sehen! Erst im Herbst kommen zunächst nichts als die Blüten aus dem Boden, danach die Blätter.

Erkennbar ist dieses Alpenveilchen leicht an den Blättern: sie sind attraktiv gezeichnet mit einer silbrigen Musterung. Auch ist ihre Form eher spitz-dreieckig, ähnlich dem Efeu, dazu auch grob gezähnt.

b) Cyclamen coum

Das Frühlings-Alpenveilchen blüht im allerfrühsten Frühjahr (ab Februar). Nach der Blüte ziehen die Blätter ein, kommen aber schon im Herbst wieder.

Klare Unterscheidung zum Efeublättrigen Alpenveilchen: die Blätter sind rundlich und kaum gezeichnet.

Auch eine Blattschmuckpflanze!

Die Blätter des Efeublättrigen Alpenveilchens sind ein echter Hingucker dank der eleganten, silbrigen Zeichnung und des dichten, soliden Blatteppichs, der sich über größeren Knollen bildet.

Damit verlängert sich die Schmuckwirkung dieser Pflanze über die Blütezeit hinaus noch durch den gesamten Winter und das frühe Frühjahr.

Alpenveilchen richtig kaufen

Der Zustand der Knolle ist beim Kauf wichtig. Am besten sind junge, kleine Knollen, auch wenn sie noch von begrenztem Blütenreichtum sind und sich erst noch entwickeln müssen.

Denn ältere, größere Knollen sind mangels optimaler Pflege oftmals schon oberseits etwas trocken und holzig geworden. Das kommt daher, daß die Knolle nicht sorgsam immer mit Erde bedeckt war und dann als Antwort auf Witterungseinflüsse sich vertrocknet und verfestigt hat.

Aus solchen älteren, falsch gepflegten Knollen kommen nur noch wenige Blüten hervor. Daher am besten zu jungem Material greifen.

Ganz falsch wäre es, die hier und da zu findenden riesigen Alt-Knollen zu kaufen, die nämlich in ihren Heimatländern am Naturstandort ausgegraben wurden - Raubbau für schnelles Geld.

Alpenveilchen richtig pflanzen

Als Waldbewohner wünschen sie sich einen lockeren, humosen Boden. Wie oben beschrieben ohne Konkurrenz von Unkraut und wuchskräftigen, sonstigen Nachbarn.

Der Boden kann aus Lauberde und Kompost bestehen, gerne mit einem kleinen Lehmanteil.

Wenn man unter Gehölze pflanzt, muß sichergestellt sein, daß die Gehölze selber nicht mit flachen Wurzeln den Bereich völlig für sich beanspruchen. Kiefern etwa wurzeln bekanntlich sehr flach.

Dem wirkt man aber leicht entgegen, indem man eine 10 cm Schicht Boden extra für die Alpenveilchen aufträgt. Man sollte sowieso dann jedes Jahr etwas weiteren Boden über die Knollen ergänzen - siehe unten.

Alpenveilchen richtig pflegen

1. Unkraut fernhalten

Konkurrenzpflanzen von den kleinen Alpenveilchen fernhalten ist die wichtigste Aufgabe. Allzu leicht sind sie überwuchert und dann erstens vergessen und zweitens eingegangen.

2. Boden ergänzen

Am besten jedes Jahr eine dünne Schicht neue Erde (Kompost, Lauberde) über die Knollen auftragen.

Denn diese haben die ungute Eigenschaft, sich laufend nach oben zu drücken und aus der Erde hervorzuarbeiten. Wenn sie dann oberseits exponiert sind für Sonne, Wind und Frost, wird die Knolle dort trocken und holzig. Das reduziert die künftige Blütenmenge.

Daher immer dafür sorgen, daß etwa 3 cm Erde über den Knollen liegt und sie entsprechend oberseitig feucht bleiben. Dazu muß man regelmäßig neuen Boden auftragen. (Ma Naturstandort sorgt dafür der Blatt- und Nadelfall im Wald).

Kompost und Lauberde sind besonders gut feuchtigkeitsspeichernd und daher am besten geeignet. Die Nährstoffe des Komposts kommen dem Wachstum zugute. Bei Lauberde kann man Nährstoffe in Form von organischen Düngern (Hornspäne ...) ergänzen.

3. Frostschutz nur im Extremfall

Das Efeublättrige Alpenveilchen ist weniger frostempfindlich als das Frühlings-Alpenveilchen. Nur für den Extremwinter mit minus 20 Grad braucht man eine schützende Überdeckung mit Reisig oder Vlies vorzusehen.

Der Wunschstandort unter höheren Gehölzen oder lichten Sträuchern sorgt ohnehin schon für einen gewissen Schutz vor den ärgsten Fährnissen des Winters.

Knollenwunder!

Die Knollen dieser winzigen, zarten Pflanze entwickeln sich mit den Jahren zu regelrechten Ungetümen. Tellergroß im Umfang, mit einer von Jahr zu Jahr größeren Masse von Blüten und Blättern darauf.

Man ahnt ihre Umrisse nur, wenn sie sich ein ganz wenig aus dem Erdboden erheben (schnell wieder überdecken!).

Und ihre Lebensdauer ist unerhört lang. Die Knollen können ein Menschenalter überdauern!

Vermehrung kinderleicht!

Für Vermehrung sorgt das Alpenveilchen selber - und das meistens sehr großzügig. Die Samen werden von Ameisen verbreitet und laufen problemlos auf.

Man kann dann die Nachwuchs-Knollen den Garten selber erkunden und erobern lassen - oder man nimmt die Jungpflanzen auf und verteilt sie an andere Stellen. Gut machen sie sich auch als Geschenk im kleinen Topf!

Ein hervorragender Film.

Ein hervorragender Film. Werde mich nun auf die Suche nach diesem wundervollen Herbstalpenveilchen hier in Süddeutschland machen! Danke für Ihre wertvollen Informationen!
Es wäre schön, wenn Sie sich mit Ihren Beiträgen vom hohen Norden auch ein wenig in unsere süddeutschen Regionen ausdehnen und hiesige Lieferanten empfehlen könnten.
Viel Erfolg!
Ganz herzlich,
eine Gartenliebhaberin aus Stuttgart

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