Rosenschnitt Teil 3: Eine Kletterrose

vom 27. April 2010
Hart ran ans Totholz, erklärt Reinhard Glantz vom Rosarium Uetersen
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TEXT UND INFO ZUM FILM

Drehort:
Rosarium Uetersen, Stadt Uetersen in Schleswig-Holstein
Länge:
4 Min.
Filmkatalog:Praxis
Moderator:
Marc Albano

Der Schnitt einer Kletterrose zielt nicht zuerst auf die Länge, sondern vor allem auf das sogenannte Auslichten und Entfernen von Totholz.

Im Film schneiden wir eine Kletterrose, sie wird aber in diesem Fall wie eine hohe Strauchrose gehalten. Daher hat der Schnitt auf Länge hier auch eine Bedeutung.

Kletterrose versus Strauchrose?

Der Übergang ist fließend - und abhängig vom Belieben des Gärtners. Kletterrosen wachsen generell kräftiger als Strauchrosen. Schneidet man sie aber auch kräftiger zurück, dann kann man sie wie Strauchrosen halten.

So wird es auch in diesem Fall im Rosarium Uetersen gehandhabt. Die Kletterrose wird jährlich auf 1,80 m zurückgestutzt. Dank ihres kräftigen Wachstums schiebt sie von dort aus jährlich neue Triebe von rund 1 m Länge nach oben.

Das hat hier gestalterische Gründe. Im Umfeld der Kletterrose stehen viele kleinere Strauch- und Beetrosen. Die spielen ihre Musik im Bereich von 1 - 1,5 m Höhe. Dazu sollen die Kletterrosen dann ein klar abgegliedertes Gegengewicht bilden, mit Trieb- und Blütenschwerpunkt bei 2 - 3 m Höhe.

Dieser eindeutige Schwerpunkt wird auch dadurch forciert, daß man die Rose im unteren Bereich eng an einen Pfahl anbindet. Durch die enge Schnürung wird sie relativ wenig neues Triebwachstum im unteren Bereich ausbilden, dafür umso mehr weiter oben, wo sie sich frei entfalten kann.

Das ergibt dann eine pilzartige Gesamtform. Oben sprüht und regnet es geradezu lange Zweige und Blüten, unten ist nur "Stamm".

Das ist übrigens auch ein gutes Prinzip für den Privatgarten. In 2 - 3 m Höhe ist die Blütenpracht der Rose noch gut mit dem Auge zu erfassen und auch mit dem Farbgeschehen weiter unten - z.B. von Stauden - in Verbindung zu bringen.

Man wünscht also eine hohe Strauchrose, pflanzt aber eine Kletterrose. Das ist ein Trick, um mehr Wucht und Blütenmasse zu gewinnen - wo es denn gestalterisch hinpaßt.

Das Anbinden an einen Pfahl ist dabei bei allen Kletterrosen empfehlenswert, weil die langen Triebe sonst wüst in alle Richtungen steuern und auch kippen würden.

Freilich müßte man sie nicht so eng an den Pfahl schnüren, wie es im Film gemacht wird - aus erwähnten, gestalterischen Gründen. Ein lockereres Anbinden würde mehr Triebfülle und Blütenansatz auch im unteren Bereich zulassen.

Aber natürlich kann man Kletterrosen auch tatsächlich klettern lassen - wie es der Name schließlich vorschlägt. Dabei gibt es innerhalb dieser Rosengruppe aber auch viele unterschiedliche Wuchsstärken und Endhöhen. Manche klettern nur schwach bis 3 m und können so eigentlich auch noch als Strauchrosen durchgehen.

Läßt man die Rosen wirklich klettern, so wird man ihnen auch ein Rankgerüst zur Verfügung stellen, an das sie angebunden werden können. Der Schnitt auf Länge hat in diesem Fall keine Bedeutung mehr.

Und am extremen Ende der Kletterrosen gibt es noch die eigene Kategorie der Rambler-Rosen. Das sind reine Klettermaschinen, die am liebsten in hohe Bäume hinein wachsen und von dort Blütenkaskaden herabwerfen. Bei den Ramblern braucht man sich um jährlichen Schnitt gar nicht kümmern.

Die Schnittprozedur

1. Luft schaffen

Um sich überhaupt an die Rose heranmachen zu können, wird man erstmal seitlich alle Triebe abschneiden, die einem beim Arbeiten im Weg sind.

Der erfahrene Gärtner ist immer auch auf Sicherheit bedacht, und dazu gehört vor allem, daß man seine Augen vor hervorstehenden Zweigen schützt. Und natürlich auch die Haut vor Stacheln.

Daher ist der erste Schritt das Schaffen von Arbeitsraum. Von unten her schneidet man die Rose seitlich bzw. rundherum frei.

2. Schnitt auf Länge

Wenn man dann guten Zugang zum Inneren der Rose hat, kann man - falls gewünscht - zuerst die Länge stutzen. Im Film wird die Rose auf 1,80 m gebracht.

Dabei spielt keine Rolle, wo genau man die Schere ansetzt. Kletterrosen sind starkwüchsige Pflanzen, denen es ganz egal ist, wo genau einer ihrer Triebe endet. Sie drücken mit Gewalt in irgendeines ihrer nachfolgenden Augen und kümmern sich nicht weiter um den Rest.

Also keine Hemmung, die Schere einfach irgendwo auf der gewünschten Höhe ansetzen und dort alle Triebe kappen.

Übrigens könnte man auch ruhigen Gewissens die Rose bis fast zum Erdboden hinabschneiden. Sie würde das willig hinnehmen und dann eben von dort unten wieder ihr Jahreswachstum ansetzen.

Sie käme dann auf 1 - 1,5 m Höhe im Jahresverlauf - und wäre damit eine echte Strauchrose! Und das könnte sie ihr Leben lang auch bleiben, wenn man den Schnitt jährlich so ausführte.

Also steuert der Gärtner die Form und Höhe seiner (Kletter-) Rose ganz nach eigenem Gusto. Die Rose macht alles ohne zu murren mit. Sie will nur wachsen, wie und wo ist ihr eigentlich egal.

(Bei kletternden Kletterrosen - also solchen am Rankgerüst - entfällt übrigens dieser Schnitt auf Länge praktisch ganz).

3. Öffnen und Auslichten

Wenn man die Kletterrose angebunden hält und sie in ihrem Inneren recht dicht geworden ist, dann sollte man im nächsten Schritt die Schnüre lösen und die großen Triebe etwas auseinander ziehen.

Hier gilt es jetzt vor allem, das Totholz auszuschneiden. Denn davon wird man praktisch immer etwas an einer Rose finden. Es ist leicht an der braunen, toten Farbe zu erkennen.

Man schneidet das Totholz so heraus, daß man immer auch noch ein Stück von dem angrenzenden, noch vitalen Holz mit abschneidet. Denn dann kann der verbleibende Trieb sich garantiert vom Ende her neu aufbauen.

Totholz ist keine Katastrophe. Es gehört zum natürlichen Wachstumsrhythmus einer Rose. Sie wird sich immer von einigen Trieben verabschieden, um sich auf neue Triebe zu konzentrieren. Das stört ihr Wohlbefinden nicht.

Was das Wohlergehen der Rose dagegen stören kann, ist wenn sich über das Totholz Krankheiten einnisten. Vor allem Pilze werden dabei angezogen. Und Rosen hassen Pilze.

Das Totholz ist auch ein ungutes physisches Volumen im Innenbereich der Rose. Es behindert dort die Entwicklung neuer, junger Triebe. Es nimmt ihnen Platz, Licht und Luft. Und bei Windbewegung läßt es gesunde Triebe scheuern und sich verletzen.

Daher gilt: das Totholz jedes Jahr sorgfältig beseitigen.

Und um dies sorgfältig tun zu können, muß man die Rose eben zuerst von ihren Schnüren befreien und die Triebe auseinanderziehen. Soviel Mühe muß sein.

Übrigens hier auch nochmal ein Hinweis zum richtigen Schnittzeitpunkt. Wenn man meint, seine Rose auch schon im Herbst einmal schneiden zu müssen (falsch!), dann wird man immer auch die Totholzbildung mit fördern. Denn der Frost dringt verläßlich in das "offene" Triebende ein und läßt dieses ein paar Zentimeter weit absterben. Das muß man dann im Frühjahr wieder abschneiden - doppelte Arbeit!

4. Wieder anbinden

Interessant ist hier die Variante des Anbindens mit Weidenruten! Eine optisch schöne und auch politisch sehr korrekte Lösung ...

Ich bin immer noch ganz

Ich bin immer noch ganz begeistert von den Videos in Gartenfernsehen.de und schaue sie mir immer wieder an. Sie sind so interessant und lehrreich. Ich habe schon viele Anregungen für meinen Garten dabei gefunden. Herzlichen Dank dafür ! Schade, dass es nicht weitergeht! Ich würde mir noch viele so schöne Videos wünschen.

Ich war immer etwas unsicher

Ich war immer etwas unsicher bezüglich Schnitt meiner Strauch-, Kletter- und Beetrosen. Aber hier diese Videos sind wirklich sehr sehr aufschlußreich und man sieht, dass man mit den Rosen nicht so zimperlich umgehen muß. Besonders an den Lieblingsrosen geht man ja am vorsichtigsten ran - vielen Dank für die informativen Videos.

Ich schau mir immer mit

Ich schau mir immer mit Spannung ihre informativen Videos an. Toll, dass es ihr Gartenfernsehen gibt, auf diese Weise hab ich schon einige Gärtnereien im Raum HH kennengelernt und freue mich immer über "Nachschub"
Ich hoffe, es ist ok, dass ich die Web Adresse schon in diverse Gartenforen getragen habe. Aber ich finde die Filme einfach so sehenswert, dass man nicht genug dafür werben kann :-)
Herzliche Grüße und schön weiter machen!
Heike Ackermann

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