Rosenschnitt Teil 1: Eine Beetrose
TEXT UND INFO ZUM FILM
Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie die Profis an die Gartenarbeiten herangehen ... nämlich oft viel unkomplizierter, als uns das die Theorie lehren will.
Hartes Herz, scharfe Schere
Dieses Motto ist Trumpf im Rosarium Uetersen. Hart und gnadenlos zuschneiden, das ist für die Rose in Wirklichkeit das beste, was ihr geschehen kann!
Denn Rosen sind von Natur aus immer wuchsfreudig und robust im Nehmen. Wenn man sie einlädt, jedes Jahr neu ganz vom Boden aus ihre Triebe hoch in die Höhe zu schicken, dann ist das für die Rosen die beste Therapie, um jung und vital zu bleiben.
Ein zu vorsichtiger Schnitt führt nämlich genau zum Gegenteil: im unteren Bereich der Rose entwickelt sich mit den Jahren dickes, altes Holz, welches immer anfälliger für Alterserscheinungen, Krankheit und Bruch wird.
Man vermeidet dies, indem man die Pflanze motiviert, neue Triebe von ganz tief unten zu entwickeln. Den Impuls dazu liefert der kräftige Schnitt. Er geht bis auf 10-20 cm über dem Boden herunter.
Daß man dazu eine besonders scharfe Schere verwenden sollte, das ist vielen Rosenfreunden klar (investieren in gutes Werkzeug lohnt sich, wenn man regelmäßig Rosen zu schneiden hat! Eine Schere kann dann 30-50 Euro kosten).
Aber daß auch eine gute Portion hartes Herz dazugehört, daß ist sicher noch wenig bekannt. Instinktiv schätzt man Rosen als wertvolle Pflanzen ein und glaubt sie daher mit Vorsicht und Zurückhaltung behandeln zu müssen. Mitnichten - lehrt uns das Rosarium!
Totholz entfernen
Ein ganz tiefer Schnitt hat auch den Vorteil, den innersten Kern des kleinen Rosenstrauchs zugänglich zu machen. Denn dorthin muß man oft mit der Schere vordringen, um Totholz an der Basis zu entfernen.
Totholz ist leicht an der braunen, trockenen Farbe zu erkennen. Oft sind Frostschäden die Ursache (vor allem, wenn man die Rose bereits im Herbst einmal geschnitten hat - was unnötig ist! siehe unten).
Totholz entsteht auch gerne, wenn der Rosenstrauch mit der Zeit zu dicht gewachsen ist und die inneren Triebe zu wenig Luft und Licht bekommen. Sie sterben dann ab.
Das Totholz gilt es zu beseitigen, weil sich in ihm Krankheitserreger wie Pilze ansiedeln. Auch behindert es räumlich den Wuchs neuer Triebe. Und es sieht häßlich aus.
Man schneidet das Totholz dann immer so vollständig heraus, daß man noch ein kleines Stück weit in das angrenzende gesunde Holz hineinschneidet. (Bzw. komplett bis an den Erdboden hinunter schneidet, wenn der ganze Ast tot ist).
Und gerade dafür ist der kräftige Gesamtrückschnitt eine gute Voraussetzung. Man kommt gut ins Innere der Pflanze hinein.
Schnitt wie ansetzen?
Ja, was hat man da nicht alles im Kopf: 1/2 cm über einem Auge schneiden, Schnitt schräg und vom Auge weg ansetzen, 2-3 Augen stehen lassen ... und so weiter und so fort.
Und wenn man das nicht genau so macht, dann geht die Rose wohl zugrunde, geht kümmerlich ein, erkrankt, leidet, verendet - ein Verlust an Geld und an gärtnerischer Selbstachtung ... ?
Vergessen Sie's!
Immer wieder wundern sich die professionellen Gärtner, warum Gartenlaien so unsicher und vorsichtig an ihre Pflanzen herangehen. Es sind gerade die Lehrbücher mit ihren komplizierten Vorgaben, die diese Unsicherheit hervorrufen.
Dabei kann es so einfach gehen. Eine Rose will leben. Punkt. Sie ist kraftvoll im Wachstum. Punkt. Wenn man sie kräftig schneidet, dann kommt sie genauso kräftig mit Wachstum zurück. Und genau das hält sie dann auch jung und lebenslustig. - Mehr muß man eigentlich nicht wissen.
Der arme, verunsicherte Gartenlaie sucht lange nach den einzelnen Augen der Rose, zählt rauf und runter, mißt, schätzt, kalibriert - und derweil hat man im Rosarium schon 20 Stück Rosen fertig geschnitten.
Also, am einfachsten ist, man macht es wie die Profis, wirft alle Hemmungen über Bord und schneidet gedankenlos auf die gewünschte Höhe - basta. Jede Rose kommt damit zurecht (sofern sie nicht schon völlig überaltert ist oder mangelnde Ernährung hat).
Vielleicht sind dann kleine Stummel von Totholz das Ergebnis, aber sei's drum! Die schneidet man beim nächsten Frühjahrsschnitt weg, und die Rose bekümmert's wenig. Sie sucht sich immer irgendein Auge zum Austreiben, und wenn sie keins findet, dann treibt sie eben einen ganzen neuen Trieb vom Boden aus.
Ein flotter Schnitt ist auf jeden Fall besser, als ein aufgeschobener und dann vergessener. Und im Frühjahr gibt es schließlich genug andere Arbeiten im Garten zu tun.
Also kann man es getrost den Profis nachmachen und wie ein Blitz mit der Schere einmal über seine Rosen fahren - fertig!
Warum eigentlich schneiden?
Zunächst einmal, wie oben gesagt, um die Pflanze zu verjüngen. Altes Holz ist ungut, junge, vitale Triebe sind gewünscht. Sie sind flexibel, austriebswillig, krankheitsabweisend. Der Schnitt sorgt für ständig neu hinzukommendes junges Holz.
Durch die kontinuierlich stimulierte Wuchsaktivität der Pflanze werden Gesundheit und Langlebigkeit der Pflanze positiv beeinflußt.
Der Schnitt bestimmt aber auch die Gesamtform der Pflanze. Sie soll von unten her voll und buschig sein und dort auch schon erste Blüten ansetzen. Ungeschnittene Pflanzen dagegen wachsen nur noch auf einzelnen Trieben in die Höhe und setzen ihre Blüten ganz oben an, dort wo man schon gar nicht mehr ihre ganze Pracht mit den Augen erfassen kann.
Und der Schnitt beeinflußt auch die Blühwilligkeit. Veralternde Pflanzen mit Trieben aus hartem Altholz tendieren dazu, kleinere und weniger Blüten zu produzíeren. Laufend verjüngte und vitale Pflanzen sind dagegen insgesamt blühfreudiger.
Hier: Beetrosen
Das Gesagte gilt übrigens für die Beet- und Edelrosen (nicht dagegen für andere, höhere Rosenformen).
Beetrosen nennt man alles, was mehrere Blüten an einem Stiel hat. Edelrosen oder Tee-Hybriden haben dagegen nur eine (die deshalb keineswegs schöner oder edler oder größer sein muß).
In ihrer Endhöhe von etwa 80-120 cm sind sie gleich. Und gleich sind sie daher auch im Schnitt zu behandeln.
Schnittzeitpunkt Frühjahr
Frau Schmedes hat uns darauf hingewiesen, daß Rosen richtigerweise nur im Frühjahr geschnitten werden. Und dann in der 2-3 wöchigen Zeit der Forsythienblüte. Also etwa im April, um Ostern herum.
Ein Herbstschnitt hat dagegen kaum Bedeutung, allenfalls für die Optik im Winter. Man kann im Herbst die gröbsten Triebe stutzen, damit die Rose nicht allzusehr auslädt und womöglich andere Schnittarbeiten mit ihren Stacheln (ja! nicht "Dornen") behindern.
Ein Herbstschnitt führt dann oft dazu, daß im Winter der Frost in die Schnittstellen eindringt und für ein paar Zentimeter Totholz sorgt, die man im Frühjahr wieder herausschneiden muß. Man macht sich also doppelte Arbeit.
Allenfalls bei den Stammrosen macht ein Herbstschnitt Sinn, weil man dann die verkleinerte Krone besser mit frostschützenden Materialien einpacken kann, und weil das Gewicht (vor allem bei Schneelast!) sowie die Windbruchgefahr reduziert werden. (siehe auch unser Film zu diesem Thema).
Ein weiteres Motiv für den Herbstschnitt ist das vereinfachte Anhäufeln. Man entfernt dazu die seitlich zu weit ausladenden Triebe, so daß man besser die Erde an die Pflanze heran häufeln kann. (Anhäufeln ist eine Methode des Winterschutzes).
Ansonsten ist ein Herbstschnitt nicht sinnvoll. Er ist kaum schädlich, aber eben auch wenig nützlich. Man macht sich nur unnötige Arbeit - die im Frühjahr sowieso noch einmal erledigt werden sollte.
Übrigens, dasselbe Staunen über die unkomplizierte Arbeitsweise der Profis hatten wir zuletzt auch bei den Filmen zum Veredeln von Rosen und von Äpfeln. Warum sollte man die Dinge kompliziert machen, wenn es auch einfach geht? ...




Ihre Filme sind wunderbar und
Ihre Filme sind wunderbar und sehr nützlich. Ich bin ein Rosennarr und aus Ihren Filmen habe ich viel dazu gelernt.
Ich kann diese Filme nur weiter empfehlen.
Danke für die Schulung!
Zsuzsanna Schenk
München
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