Kombination von einer schönen, gewünschten Blüte einerseits (die Edelrose) und einer robusten, gesunden und wüchsigen Pflanze andererseits (dank der Qualitäten der sogenannten Unterlage, i.d.R. einer Wildrose).
Die Veredlung setzt sich also aus zwei Teilen zusammen: einer Unterlage, die die Rolle des Wuchsmotors übernimmt und einer darauf aufgepfropften Edelrose, die weniger Wuchsqualitäten aber dafür mehr Blütenqualitäten hat.
Das Aufpfropfen bzw. Zusammensetzen beider Teile ist die Technik der Veredlung. Weil es dabei um das Einsetzen eines sgn. "Auges" der Edelrose auf die Wildrosen-Unterlage geht, heißt die Technik auch Okulieren. (Lateinisch Okulus = Auge).
Die Sache ist eigentlich wunderbar einfach, sie braucht aber etwas Vorbereitung. Man muß sich vor allem erst die Unterlagen besorgen. (Recherche im Internet nötig, eine von mir zufällig gefundene Adresse wäre Südflora Baumschule). Sie werden als Massenware von spezialisierten Baumschulen bzw. Rosenschulen hergestellt und i.d.R. nicht an Endverbraucher, sondern nur an professionelle Rosenproduzenten ausgeliefert. Der Preis liegt bei unter 1 Euro pro Stück (für kleine Mengen).
Weil es ein Massenprodukt ist, werden die Unterlagen wurzelnackt verkauft, also nicht getopft. Deshalb gibt es für sie nur die Pflanzzeit Herbst oder Frühjahr. Professionelle Rosenmacher wie Herr Stange pflanzen die Unterlagen im Frühjahr und veredeln dann im Sommer. Denn die Veredlung wird nur in der Zeit von Juli bis August durchgeführt! Wenn man im Herbst die Unterlage pflanzt, wartet man also bis zum folgenden Sommer.
Wieviele Unterlagen einkaufen? Vom Platzbedarf her rechnet man mit einem Pflanzabstand der Wildrosen von 10-20 cm. (Sie treiben dann bis zum Sommer zu kleinen Büschen von 30-50 cm Höhe). Man beachte auch, daß Ausfälle beim Veredeln ganz normal sind. Herr Stange sagt, daß bis zu 20% der Unterlagen versagen (sprich: die Wildrosen wachsen nicht an) und dann noch ähnlich viele Veredlungen (d.h. das Auge wächst nicht an). Also zur Sicherheit etwas mehr Unterlagen und Veredlungen vorsehen, als letztlich benötigt.
Beim Pflanzen der Unterlage kürzt man Triebe und Wurzeln der Wildrose jeweils auf etwa eine Handbreite. Dann pflanzt man so, daß der Wurzelhals ganz oberirdisch bleibt. Anschließend wird bis zum Ende des Wurzelhalses hinauf angehäufelt, sprich ein Erdhaufen um die Pflanze gebildet. Diesen Erdhaufen entfernt man dann im Sommer beim Veredeln wieder, sodaß der Wurzelhals ganz freigelegt wird.
Der erste Schritt beim Veredeln ist das Schneiden eines Triebes aus der gewünschten Edelrose. Dabei achtet man darauf, daß die zugehörige Blüte schon voll geöffnet oder im Abblühen begriffen ist. Dann hat der Trieb die richtige Reife. Dazu prüft man auch die Festigkeit der Stacheln: wenn sie sich mit leichtem Druck des Daumens von der Seite mühelos weg- und abdrücken lassen, dann ist der Trieb im richtigen Zustand.
Vom abgeschnittenen Trieb entfernt man die Blätter bis auf einen kurzen Rest von etwa 1 Zentimeter. Auch die Blüte wird abgeschnitten. Direkt unter den verbliebenen Blattstengeln sitzen die Augen. Bei einer typischen Edelrose können es 4-7 Augen am Trieb sein, bei einer Strauchrose auch mehr als 10 Augen. Aus jedem Auge kann eine neue Rose gezogen werden.
Um sich bei der weiteren Arbeit nicht zu verletzen, werden die Stacheln ganz entfernt (seitlich mit dem Daumen abdrücken). Den Trieb jetzt nicht austrocknen lassen (z.B. in nasses Papier einwickeln, ggf. im Kühlschrank zwischenlagern).
Dann begibt man sich an den Ort der gepflanzten Unterlage. Hier wird, wie gesagt, die Wildrose zunächst abgehäufelt, d.h. der Wurzelhals freigelegt. Um gut arbeiten zu können, kann man das weiche Triebwerk der Unterlage mit einem Stück Holz einfach seitlich niederdrücken, oder man tritt mit dem Schuh darauf. Der freigelegte Wurzelhals wird dann an einer bestimmten Stelle mit einem Lappen gut von Erd- und Rindenresten gereinigt. Diese Stelle soll dann die Veredlung aufnehmen.
Anschließend wird zunächst aus dem Trieb ein Auge herausgeschnitten. Dazu zieht man einen der verbliebenen Blattstengel ab und legt das darunterliegende Auge frei.
Dann hält man in der Hand ein superscharfes, sogenanntes Okuliermesser. Das Messer ist ganz sauber gewischt. Man setzt es knapp über dem Auge an und schneidet etwa 2 cm ganz flach nach unten. Den Rest zieht man einfach ab. Anschließend klappt man das geschnittene Teil um, so daß sich das mit-abgeschnittene Holz lösen läßt. Dieses hat oben eine kleine Einbuchtung oder Gabel, wo es zuvor das Auge umschlossen hat. Das Holz wird weggeworfen. Man hält jetzt in der Hand das reine Auge, fertig zum Einsetzen in die Unterlage.
Das Auge am besten sofort einsetzen und gar nicht an seiner Schnittfläche mit den Fingern berühren!
(weiter im Begleittext zum zweiten Filmteil)
Da versteht mal einer sein
Da versteht mal einer sein Handwerk!
Nicht schlecht. Respekt.
Nicht schlecht. Respekt. Grüße Single aus Hamburg
Ich finds toll wie ihr die
Ich finds toll wie ihr die Rosen veredelt, scheint aber nicht einfach zu sein.
Miriam von Onlinefinden
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