Prof. Warda: Strauch-Pfingstrosen - Teil 1

vom 01. Juni 2010
Die Riesenblüher aus China sind unkomplizierte Gartenpflanzen, erklärt Experte Prof. Hans-Dieter Warda
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TEXT UND INFO ZUM FILM

Drehort:
Norddeutsche Gartenschau im Arboretum Ellerhoop, S.-Holstein
Länge:
8 Min.
Filmkatalog:Pflanzen
Moderator:
Marc Albano

Die Familie der Pfingstrosen - ein Überblick

Im Film ist von vielen Päonien die Rede: Rockii, Suffruticosa, Stauden, Japanern, Franzosen. Hier eine kurze Einordnung:

1. Stauden-Pfingstrosen

Jeder kennt sie, die großen und üppigen Blüten im Mai und Juni. Es gibt die etwas früher blühende Bauerngarten-Pfingstrose (Paeonia officinalis) in wenigen Sorten und die später blühende Edel-Pfingstrose (Paeonia lactiflora) in zahllosen Sorten.

Alle Stauden-Arten sind im Garten extrem langlebig und unkompliziert.

2. Strauch-Pfingstrosen

Während eine Staude im Winter oberirdisch abstirbt, bildet ein Strauch dauerhafte und verholzte Triebe. Dadurch wächst die Strauch-Pfingstrose allmählich (langsam!) auch höher als ihre Stauden-Schwester.

Strauch-Pfingstrosen brauchen ihre kräftigeren Triebe vor allem auch, um die riesigen, schweren Blüten zu tragen. Für diese Blüten-Giganten werden sie seit Jahrhunderten gezüchtet und gepflanzt.

a. Paeonia suffruticosa

Diese Ausgangs-Art ist die Basis für praktisch alle Strauch-Pfingstrosen, die bei uns im Handel sind. Alle sind gezüchtete Sorten, die überwiegend aus Frankreich, zum Teil auch aus Japan kommen. Anhand ihrer Namen ist die Herkunft immer leicht zu erkennen.

... die französischen Sorten:

Die meisten wurden schon im 19ten Jahrhundert gezüchtet. Große Klassiker etwa heißen: Jeanne d'Arc, Souvenir de Ducher, Reine Elisabeth, Louise Mouchelet, Baronne d'Ales.

Der Vorteil der französischen Sorten für uns ist ihre Angepaßtheit an ein relativ ähnliches, (west-)europäisches Klima. Das betrifft ihre einigermaßen ausreichende Winterhärte und auch sonstige Konstitution.

Gegen die bei uns eher als in Frankreich verbreiteten Spätfröste sind diese Strauch-Pfingstrosen aber besonders empfindlich. Die Spätfröste richten mehr Schaden an als kalte Wintertemperaturen. Denn sie treffen die schon früh treibenden Blütenknospen und ruinieren die Blüte. Der Strauch lebt zwar weiter, macht aber dann wenig Freude.

... die japanischen Sorten:

Sie heißen zum Beispiel Hana Kisoi, Higurashi, Tamasudare, Yakumo, Oufujinishiki.

Auch ihre Blüten sind prächtig, jedoch warnt Prof. Warda, daß viele japanische Sorten sich nicht gut in unserem Klima einfinden. Das betrifft seiner Erfahrung nach vor allem das norddeutsche Klima.

Dort sollen viele japanische Sorten überdurchschnittlich häufig von Pilzerkrankungen befallen werden (zum Pilzthema: siehe unten), dazu auch unzuverlässig hinsichtlich der Winterhärte und der Spätfrostgefährdung sein.

Von einer Pflanzung japanischer Sorten rät Prof. Warda daher ab.

... weitere Sorten

Ein eigenes Thema sind die nordamerikanischen Sorten von Strauch-Pfingstrosen. Sie wurden in unserem Film nicht betrachtet, bilden aber im Arboretum Ellerhoop eine stattliche, eigene Pflanzung (mit etwas späterer Blütezeit als der, in der wir filmten).

b. Paeonia rockii

Die heimliche Hauptfigur unseres Films ist eine Neueinführung in Europa, die erst seit ein bis zwei Jahrzehnten allmähliche Verbreitung findet. Ihre Wildart mit prächtiger und besonders großer Blüte in Weiß zeigen wir im Film.

Der besondere Reiz der Rockii ist ihre Robustheit, Gesundheit, Wüchsigkeit und Winterhärte. Dazu die besondere Größe der Blüten.

Damit schafft sie in der Welt der Strauch-Pfingstrosen all die Nachteile ab, mit der traditionell die Züchtungen der Paeonia suffruticosa behaftet sind: der eher schwache und dürre Wuchs auf kahlen Beinen, die Pilzanfälligkeit, die begrenzte Winterhärte.

Die Rockii kommt aus hohen Gebirgslagen in China, daher ihre Kraft und Gesundheit. Natürlich braucht sie mit dem kräftigen, mannshohen Wuchs (und noch höher! - bis über 3 Meter) auch viel Platz. Damit sind ihre künftigen Züchtungen vor allem etwas für große Gärten.

Die Züchtungsphase der Rockii soll jetzt erst so richtig beginnen. Prof. Warda sieht sich da als Vorkämpfer. Im Arboretum Ellerhoop lädt er die Bienen ein, das Werk der Vermischung zwischen der Rockii Wildform und den traditionellen Suffruticosa-Züchtungen vorzunehmen.

Herauskommen sollen neue Strauch-Pfingstrosen, die die prächtigen Blütenfarben und -formen der historischen Züchtungen vereinen mit dem neuen, gesunden Blut der Rockii. In dieser Verbindung sieht Prof. Warda eine großartige Zukunft der Strauch-Pfingstrosen in unseren Gärten.

Zum richtigen Standort

Für alle Strauch-Pfingstrosen gelten diese Regeln:

- Sie lieben die Sonne, kommen aber auch mit lichten Schatten gut zurecht.

- Sie wünschen einen gut durchlässigen Boden, definitiv ohne Staunässe. Bei dauerfeuchten Böden ist Drainage wichtig. Alternativ eine Pflanzung auf künstlich erhöhtem Boden.

- Wurzelkonkurrenz von Bäumen und anderen starken Nachbarpflanzen wird nicht vertragen.

- Keine allzu sauren Böden. Also nicht in Torfbeete zusammen mit Rhododendron und Azaleen setzen (wenn auch die Blüte hier gleichzeitig kommt, man daher zu farblicher Komposition verlockt wird).

- Den Boden nicht zu fett mit übermäßig viel Kompost machen. Jedoch für gute Nährstoffversorgung mit Dünger sorgen. Als Dünger einen gewöhnlichen Volldünger verwenden.

- Einen nicht allzu wind- und wettergeschützten Standort wählen (ähnlich wie bei Rosen). Sonst droht Krankheitsbefall, hier vor allem Pilzschäden. Auch würden die Blütenknospen am warmen, windgeschützen Standort zu früh ausgebildet und dann leicht Opfer von Spätfrösten.

Zur richtigen Pflanzung

Praktisch alle im Handel erhältliche Sorten sind Züchtungen, die auf einer Veredelungsunterlage wachsen. Die Unterlage bildet in der Regel eine Stauden-Pfingstrose, genannt die "Amme". Sie treibt schneller und verläßlicher ein Wurzelsystem als der langsamwüchsige Strauch.

Für die so zusammengesetzte Pflanze soll die Amme aber wünschenswerterweise nur vorübergehend die Wurzeln liefern. Günstig ist, daß der aufveredelte Strauch allmählich seine eigenen Wurzeln bildet.

Deshalb pflanzt man die Strauch-Pfingstrose etwa 10 cm tiefer in den Boden, als sie im Topf stand.

Die Amme mit ihrer größeren Wüchsigkeit bleibt dabei eine latente Bedrohung für den Strauch. Wie im Film zu sehen, kann sie zuweilen selber staudige Triebe am Strauch vorbei an die Oberfläche schicken. Diese muß man auf jeden Fall entfernen. Sonst würde die Staude den Strauch verdrängen.

Zur richtigen Pflege

Die Strauch-Pfingstrose ist generell pflegearm. Geschnitten wird prinzipiell nicht. Die Pflanze wächst langsam und bildet ihre Blüten an Trieben des Vorjahres. Daher sind keine kleinen, jährlichen Erhaltungsschnitte angeraten.

Gleichwohl ist die Pflanze grundsätzlich sehr schnittverträglich. Sollten einzelne Triebe mit den Jahren veralten und blühfaul werden, dann schneidet man sie tief und vollständig heraus. Sogar härteste Schnitte werden vertragen, bis hin zum Radikalschnitt auf Erdbodenhöhe.

Der Radikalschnitt ist vor allem dann wichtig, wenn Pilzbefall vorliegt. Befallene Einzeltriebe bis ganz tief ins gesunde Holz entfernen. Ist die ganze Pflanze befallen, dann bis zum Boden schneiden.

Regelmäßig düngen.

Aufbinden braucht man die Triebe nicht. Sie sind kräftig genug, um die schweren Blüten zu tragen und auch, um im Winter mit Schneelast fertig zu werden. Jedoch können extreme Schneemengen ggf. zum Knicken von Trieben führen.

Zur richtigen Kombination

Strauch-Pfingstrosen lassen sich nach der Empfehlung von Prof. Warda gut mit niedrigen Stauden kombinieren, am besten solchen in Blautönen (Storchschnabel, Katzenminze) oder auch weißen.

Auch einjährige Pflanzen und Blumenzwiebeln (z.B. Stiefmütterchen, Tulpen) sind kreative Blütenpartner.

Abgeraten wird von Nachbarn in allzu kräftigen Farben, vor allem von Rhododendron und Azaleen.

Bezugsquellen

Prof. Warda nennt im Film diese etablierten Spezialisten für Strauch-Pfingstrosen:

Stephan Tetzlaff, Kleinenbroicher Str. 85, 41352 Korschenbroich, Tel: 02161-465499 (mit Katalog, noch ohne Webseite)

Wolfgang Linnemann, Rheindorfer Str. 49, 53225 Bonn, Tel. 0228-471448, www.paeonien.de

Syringa, Bachstr. 7, 78247 Hilzingen-Binningen, Tel. 07739-1452 www.syringa-samen.de

Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin, 79295 Sulzburg-Laufen, Tel. 07634-69716, www.graefin-v-zeppelin.com

Wolfgang Gießler, Fabrikstr. 27, 39240 Groß Rosenburg, Tel. 039294-20768, www.giessler-paeonien.de

Pivoines Rivière, La Plaine, F-26400 Crest, Tel. 0033-47525-4485, www.pivoinesriviere.com

Mehr Bezugsquellen findet man auch auf der Webseite der Fachgruppe Päonien bei der Gesellschaft der Staudenfreunde e.V.: www.paeonia.de

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Offensichtlich ist dieser

Offensichtlich ist dieser Professor nicht von dieser Welt. Pflanzen mit Preisen jenseits des Machbaren als geeignete Pflanzen anzupreisen. Dieser Mann sollte einmal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommen und Machbares anpreisen. Oder finanziert er damit seine Strauchpfingstrosenleidenschaft.

An einer erhöhten Terrasse

An einer erhöhten Terrasse stehen in unserem Garten mehrere
Strauchpfingstrosen, sie blühen herrlich aber die Pflanzen sind im unteren Bereich ziemlich kahl, ein radikaler Rückschnitt kommt ja wohl nicht in Frage, sie sind ca. 1,50 m hoch, was kann ich machen um die Pflanzen im unteren Bereich austreiben zu lassen ?
MfG

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