Koniferen vermehren: Thuja

vom 02. Feb. 2012
Die professionelle Stecklingsvermehrung im Winter abgeschaut im Gartenbauzentrum Schleswig-Holstein
weiter im Programm ...

TEXT UND INFO ZUM FILM

Drehort:
Gartenbauzentrum Schleswig-Holstein in Ellerhoop Thiensen
Länge:
3 Min.
Filmkatalog:Praxis
Moderator:
Marc Albano

Kaum etwas befriedigt im Garten mehr als selbst herangezogene Pflanzen. Besonders, wenn es sich um wertvolle und langlebige Gehölze handelt.

Koniferen aus Stecklingen

Die im Film gezeigte Vermehrungstechnik läßt sich auf viele Arten von Nadelbäumen anwenden, darunter Lebensbaum, Scheinzypresse und auch Eibe. Dabei gehört Thuja zu denen, die sich so besonders einfach vermehren lassen. Ihre Stecklinge wurzeln sehr gut an.

Bei Koniferen ist die andere gängige Vermehrungstechnik die Aussaat. Dabei kann man aber nicht eine bestimmte, gezüchtete Sorte mit definierten Eigenschaften erhalten. Hierzu muß man vielmehr genetische "Klone" schaffen, und das macht die Stecklingsvermehrung.

Der richtige Zeitpunkt

Die günstigste Zeit ist das Winterhalbjahr von Oktober bis März. Dann ist das vorjährige Ausgangsmaterial für die Stecklinge wirklich ausgereift. Auch ist die Witterung vorteilhaft, sodaß das Stecklingsmaterial und das Substrat nicht so leicht austrocknen. Zudem können die anwachsenden Stecklinge dann auch gut über den folgenden Sommer kräftig werden und so in den nächsten Winter gehen.

Innerhalb des Winterhalbjahres nutzen die Baumschulen vorzugsweise die echte Vegetationsruhezeit ab Dezember. Leicht anwachsende Stecklinge wie Thuja kann man aber theoretisch auch schon im Sommer stecken.

Die richtige Erde

Gute Anzuchterde muß die Bedingungen erfüllen, nährstoffarm, keimfrei und gut durchlässig zu sein.

Die Nährstoffarmut verhindert, daß der anwachsende Steckling zu schnell "ins Kraut schießt", also seinen Schwerpunkt in den Aufbau von Trieb- und Grünmasse legt. Stattdessen soll er vordringlich ein kräftiges Wurzelsystem aufbauen.

Die Keimfreiheit ist wichtig, weil die Wuchsbedingungen der Stecklinge vor allem feucht sein müssen. In der Feuchte wachsen aber Keime und Pilze gut, insbesondere der Schimmelpilz. Daher muß die Erde vorbeugend sterilisiert sein. Man kann dieses auch im eigenen Ofen oder der Mikrowelle tun, wenn selbstbereitetes Substrat verwendet werden soll.

Die Durchlässigkeit der Anzuchterde erreicht man mit Sand und/oder Perlite. Letzteres ist ein mineralisches Material von weißer Farbe, nährstoffrei und feuchtigkeitsspeichernd, welches die Bodenstruktur verbessert und diesen locker und durchlässig hält.

Am einfachsten kauft man fertige Anzuchterde, die auf die genannten Bedingungen abgestimmt ist. Wenn man das Substrat selber mischt, bieten sich als Basis nährstoffarme Laubkomposterde und/oder ungedüngter Torf an. Dazu wird Sand gemischt.

Die richtige Technik

Der Film zeigt, daß man die kleineren Seitentriebe zunächst vom stärkeren Ast abreißen sollte. Man nennt das Ergebnis daher auch Rißling.

Der Rißling hat den Vorteil, daß nach Stutzen seiner "Fahne" noch ein winziger gerissener Holzrest hängen bleibt, an dem sich dann gut neue Zellen für das Anwurzeln bilden.

Würde man den Steckling hingegen einfach mit Schere oder Messer gerade abschneiden, wäre dieser Bewurzelungsansatz nicht gegeben und das Anwurzeln würde wahrscheinlich mißlingen. (Ausnahme ist Thuja. Sie wurzelt unter den Koniferen besonders leicht an, so daß in vielen Baumschulen aus Zeitgründen auch auf das Abreißen verzichtet wird und man tatsächlich einfach abschneidet).

Von der Fahne läßt man nur einen minimalen Rest hängen und schneidet den Großteil ab. Denn dieses Minimum genügt schon als Motivation zum Anwurzeln. Ein längeres Reststück der Fahne würde auch das Hineinstecken des Stecklings in den Boden erschweren.

Zu beachten ist, daß man beim Freistellen der unteren 2-3 Zentimeter des Stecklings die Schuppenblätter nicht ebenfalls abreißt, sondern hier dicht am Stiel abschneidet. Ein Reißen würde die Haut des Stecklings seitlich ungünstig verletzen.

Verwenden Sie am besten eine feine Gartenschere, wie man sie im Film sieht. Eine Rosenschere ist weniger praktisch.

Das Stutzen des Stecklings nach oben hin auf die Breite einer Hand hin ist ein Prinzip, welches eigentlich in Baumschulen generell für alle Arten von Stecklingen gilt. Es macht den Arbeitsablauf auch einfach, indem sjch die Stecklinge gut in der rechten Hand bündeln lassen, bevor man sie immer stoßweise beiseite legt.

Das Reduzieren der Blattmasse durch Einkürzen bzw. Halbieren der Blätter dient dazu, die Verdunstungsfläche des Stecklings zu reduzieren. Denn beim Anwachsen ist seine größte Herausforderung, den fortdauernden Verdunstungsbedarf der Blätter mit Feuchtigkeit aus den Wurzeln zu versorgen. Da er anfangs noch keine bzw. erst minimale Wurzeln hat, würde zuviel Blattmasse ihn überfordern und scheitern lassen.

Der richtige Standort

Eine hohe Luftfeuchtigkeit ist die wichtigste Anforderung an das Kulturklima des Stecklings. Wieder geht es darum, das anfängliche Ungleichgewicht zwischen oberirdischer Blattmasse und unterirdischer Wurzelsubstanz für den Steckling halbwegs verkraftbar zu machen. Je feuchter die Luft ist, desto weniger Wasser zieht der Stiel nach oben. Entsprechend weniger Druck lastet auf den (noch nicht vorhandenen oder zart sprießenden) Wurzeln.

Die sogenannte gespannte Luft kann man gut unter einer Plastiktüte oder in einem Mini-Gewächshaus erzielen. Man erkennt die hohe Luftfeuchtigkeit daran, daß die Plastikwände von innen beschlagen. Das ist der gewünschte Effekt.

Dazu muß das Kleinklima luftdicht geschlossen sein. Eine Plastiktüte würde man entsprechend mit einem Gummiband um den Topf herum abschließen. Ein Mini-Gewachhaus (siehe auch unseren Film zum Aussäen und Pikieren) schließt mit Deckel luftdicht ab.

In der hohen Luftfeuchtigkeit wird dann aber der Schimmel zur größten Gefahr. Daher sollte man seine Stecklingskultur immer gut im Auge haben und auch alle paar Tage (je nach Temperatur des Standorts) einmal kurz lüften. In den Baumschulen wird bei Schimmelbefall einfach ein Kontaktfungizid gesprüht. Der Amateurgärtner wird darauf gerne verzichten wollen. Daher ist stete Aufmerksamkeit und regelmäßiges Lüften angeraten.

Die übrigen Standortbedingungen der Stecklingskultur sind maximale Helligkeit ohne direkte Sonnenbestrahlung sowie eine Temperatur im Winter von mindestens 10 - 15 Grad. Bei höheren Temperaturen muß auch darauf geachtet werden, daß der Boden nie austrocknet.

Man erkennt dann das erfolgreiche Anwachsen der Stecklinge daran, daß sich oberirdisch neue Aktivität andeutet. Beim Buchsbaum etwa braucht man dazu viel Geduld, er wurzelt erst nach 3-5 Monaten an. Wenn man Zeichen einsetzenden Wachstums erkennt, reduziert man sukzessive die Luftfeuchtigkeit, bis man zuletzt ganz auf eine Abdeckung verzichtet.

Das Anwurzeln ist dann abgeschlossen, wenn der Steckling auch ohne Abdeckung weiterwächst. Dann läßt er sich in einen eigenen Topf umsetzen.

Die weitere Entwicklung

Bei Gehölzen ist Geduld angesagt. Die Thuja im Film braucht etwa 7 Jahre, bis sie zu einer soliden Heckenpflanze von ca. anderthalb Meter Höhe gewachsen ist. Bis dahin kann man sie ein oder mehrere Male umgetopft haben bzw. anfänglich im Anzuchtbeet kultivieren (in den ersten Wintern vor Frost und Schneelast schützen).

Dabei werden diese Gehölze natürlich nicht beschnitten, es sei denn man zielt auf eine Heckenpflanze oder Kugel der Eibe.

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