Gestalten mit Stauden-Solisten - Teil 1
TEXT & INFO ZUM FILM
Stauden-Solisten, sagt Erich Luer, machen einen kleinen Garten erst groß. Wirklich haben viele dieser Großstauden schon die Proportion von Sträuchern, aber sie wirken dabei nicht so massiv und stopfend im Garten wie diese.
Zum Beispiel das Hohe Mädchenauge (Coreopsis trypteris) im Film. Es ist über 2 m hoch, wirkt aber sehr leicht und transparent. Damit schafft man großzügiges Volumen, ohne sich den Garten allzu sehr dominieren zu lassen.
Einen ähnlichen Effekt bringen auch zwei weitere Solisten aus dem zweiten Filmteil, die Stockrose 'Parkallee' und die Weidenblättrige Sonnenblume (Helianthus salicifolius). Beide sind deutlich mehr als mannshoch, dabei aber locker und durchlässig. Mit ihnen bekommt der Garten in den Sommer- und Herbstmonaten ein Gefühl von Fülle und Üppigkeit (wie es sich ja atmosphärisch in dieser Zeit auch gehört), im Rest des Jahres sind die Pflanzen dagegen unauffällig.
Etwas niedriger, aber mit ähnlicher Wirkung ist das herrliche Pfeifengras der Sorte 'Transparent'. Sein großer Vorzug ist die klare, schmal-aufrechte Form der Blüte. Das ist optisch so klar definiert, daß man dieses Gras auch zum "Malen" im Garten verwenden kann: man pflanzt es hintereinander wie Pinselstriche in geschwungenen Bögen durch ein Beet hindurch (oder auch, wo es paßt, in geraden Linien). Das nennt sich dann im englischen Garten-Jargon ein "Drift".
Für die Gräser gilt, wie für viele Solisten, daß sie sich gut im Wind bewegen. Dieses Element von Bewegung ist ein weiteres Plus im Garten, welches Sträucher in der Regel nicht so gut leisten können. Die Stauden-Solisten haben keine verholzenden Partien und bleiben daher trotz ihrer beträchtlichen Größe immer flexibel. Ihre Windbewegung animiert einen Garten, besonders im Herbst.
Hohe Gräser haben zusätzlich den Vorteil, bis in den Winter hinein und auch durch diesen hindurch im Garten attraktiv zu bleiben. Es färben sich ihre Blätter und Stiele zwar braun, die dekorativen Blütenstände aber bleiben unverändert aufrecht und ansehlich. Neben dem Pfeifengras kann das übrigens ganz beeindruckend auch der Chinaschilf aus dem zweiten Filmteil leisten. (Dessen kräftige Blüten sind übrigens auch immer eine elegante Bereicherung für Blumensträuße im Herbst!).
Eine ganz andere Wirkung als Solist hat der Purpurdost oder Wasserdost. Man sieht ihn in der Regel mit purpurfarbener Blüte (Sorte 'Atropurpureum'), aber es gibt auch eine weiße Sorte 'Album' - wie in unserem Film zur Sonnenbraut (vom 18. August 09) schon gesehen. Dieser Dost bringt Schwere und Dichte in den Garten. Die Größe der Blütenköpfe ist beeindruckend, der gesamte Wuchs mächtig und dominierend.
Beim Dost gilt, wie häufig bei den Solisten, daß die Persönlichkeit dieser Pflanzen am besten zum Vorschein kommt, wenn sie frei stehen dürfen und nicht einfach in den Hintergrund hinter kleinere Pflanzen versteckt werden. Beim Dost ist zwar die Blüte schön und auch hoch angesetzt, aber - wie es der Film ja gut zeigt - ein großer Teil des besonderen Charmes dieser Pflanze kommt aus ihrem Gesamtbild, einschließlich also des Unterbaus aus Blattwerk und starken Stielen. Das sollte man nicht verstecken.
Ganz ähnlich im zweiten Filmteil die Stockrose 'Parkallee', auch bei ihr wirkt der sogenannte Habitus (also die Wuchsform) besonders originell und ansehlich. Am besten sollte man viele dieser Solisten also ganz ohne Umpflanzung lassen, so daß sie ihr Gesamtbild optimal zur Geltung bringen können.
(Mehr im Begleittext zum zweiten Filmteil).




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