Im Garten kann das der Randbereich um Hecken und Sträucher sein. Oder der lichte Schatten unter hohen Bäumen. Dort gibt es keine Konkurrenz durch kräftig wachsenden Rasen, der Bodenbewuchs ist locker und schütter.
Nur dort, wo die Konkurrenz nicht zu kräftig sprießt, kann sich das winzige Leberblümchen überhaupt behaupten. Die größte Gefahr für diese Staude im Garten ist immer das Verschwinden unter größeren Nachbarn. Deshalb muß man das Leberblümchen wohl auch in die Kategorie der Liebhaberstauden einordnen. Wer sich nicht drum kümmert, der verliert's schnell.
Geeignete Nachbarn sind darum auch vor allem solche, die sich nicht oder nur dezent ausbreiten. Mit passender Blütezeit wären das vor allem Zwiebelgewächse wie das Schneeglöckchen. Und, gut passend, die Christrosen bzw. Nieswurze (Helleborus). Davon sind die frühesten die Wildarten H. foetidus und H. niger.
Auch gut in eine feine, kleine Frühjahrs-Liebhaberecke passen Wild-Alpenveilchen mit Frühjahrsblüte (Cyclamen coum - Achtung, es gibt auch herbstblühende, die heißen dann Cylamen hederifolium. Die passen übrigens auch, dank ihres wunderschönen Blattschmucks).
Für den Autor ist die schönste Kombination der Leberblümchen jedoch die mit sich selbst! Eine Zusammenstellung der 3 Leberblümchen-Farbtöne blau, hellblau und weiß wirkt in schlicht-grüner Umgebung absolut herzerweiternd! Vor allem, wenn die Frühjahrssonne darauf scheint.
Denselben tollen Farbeffekt in Blautönen und Weiß bekommt man übrigens etwas später im Frühjahr auch mit den traumhaften Balkan-Anemonen, Anemone blanda, hin (ganz nah verwandt mit dem Leberblümchen). Sehr zu empfehlen!
Weitere mögliche Nachbarn sind alle schattenliebenden Stauden mit Waldheimat: Kleine Farne, Gräser wie die Segge oder Waldschmiele, das frühblühende Lungenkraut, Primeln, Lerchensporn, Duftveilchen, kleine Astilben usw.
Neben dem heimischen Leberblümchen, Hepatica nobilis, kann man im Garten auch gut das rumänische Leberblümchen, H. transsylvanica, verwenden. Es hat den Vorteil, etwas größer zu sein und auch kräftiger zu wachsen. Hier ist auch eine Vermehrung über Ableger leichter möglich.
Den Unterschied zwischen nobilis und transsylvanica ist auch an den Blättern auszumachen: Sie sind bei nobilis rund, bei transsylvanica eingebuchtet.
Die Sammlerpflanzen
Mit raffinierten Blüten- und Blattkunstwerken überzeugen vor allem die ostasiatischen Leberblümchen. Sie sind noch delikater in ihren Ansprüchen und Wuchseigenschaften (wachsen etwa extrem langsam - aber leben auch extrem lange).
Um die winzigen Blüten im Frühjahr optimal erleben zu können, bietet sich am besten eine ganzjährige Topfkultur an. Das bringt auch den Vorteil, daß die Pflänzchen im Topf nicht der Gefahr des Überwucherns durch rücksichtslose Nachbarn ausgesetzt sind - und auch vor Schnecken geschützt bleiben.
Wichtig ist dabei, daß die Überwinterung sehr kalt und gleichzeitig hell erfolgen sollte. Wenn die Leberblümchen in einem Kalthaus stehen sollen, dann kann das u.U. gefährlich werden, da solche Häuser sich in der Winter- und Frühjahrssonne schnell erwärmen. Also immer wachsam bleiben und rechtzeitig lüften - oder gleich ganz die Töpfe ganz draußen halten.
Herr Peters weist darauf hin, daß die koreanischen und japanischen Leberblümchen an ihrem Naturstandort gerne unter immergrünen Bäumen wachsen. Daher sind ihre Ansprüche etwas anders als die der europäischen Geschwister.
Denn das immergrüne Dach sorgt dafür, daß der Untergrund vor allem im Frühjahr trockener ist, als das hierzulande unter Laubbäumen der Fall wäre. Diese sind zur Blütezeit der Leberblümchen noch unbelaubt und lassen daher viel Feuchtigkeit hinab auf den Waldboden. Genau das wünschen entsprechend die heimischen Leberblümchen.
Die fernöstlichen Arten dagegen wollen's trockener haben. Daher setzen Sammler sie auch, wenn denn eine echte Garten-Haltung gewünscht ist, an einen Standort unter immergrüne Gehölze, also in der Regel unter Nadelbäume.
Hier sollte man dann aber ein Art künstliches Biotop schaffen, mit viel aufgetragenem, humosen Boden. Und natürlich sollten keine trockenen Baumnadeln darauf rieseln. Vor allem dürfen die Leberblümchen nie ganz austrocknen. Also auch hier gilt: Liebhaberpflanzen wollen viel Liebhaber-Pflege.
Und damit die Sammler-Leberblümchen hier am Gartenstandort trotzdem noch was fürs Auge bieten, sollte man vor allem solche Sorten wählen, deren Blüten nicht zu winzig sind bzw. deren Blütenfarben sehr intensiv sind. Von diesen dann am besten gleich viele zusammen pflanzen, damit der Masseneffekt für eine stärkere Sichtwirkung sorgt.
Vermehrung
Eine Vermehrung über Samen ist schwierig. Diese brauchen eine gewisse Frostzeit, um überhaupt keimwillig zu werden.
Eher bietet sich eine Vermehrung über Teilung an, aber auch die ist heikel. Die Wurzeln sind empfindlich und nehmen jede Verletzung übel. Man sollte ältere Pflanzen also nur sehr vorsichtig auseinanderziehen (am besten nach der Blüte) und dabei möglichst große Stücke erhalten.
Generell wünschen die Wurzeln der Leberblümchen vor allem Ruhe und Respekt. Daher wird auch davon abgeraten, die Pflanzen umzutopfen. Am besten, man läßt sie von Anfang an in einem ausreichend großen Tontopf (siehe Film) dauerhaft vor sich hin wachsen. Erst wenn sie irgendwann Alterserscheinung zeigen (verkahlen), wäre an eine Verjüngung durch Teilung zu denken.
Und noch der Name ...
Warum heißen sie nun Leberblümchen? Weil ihre Blätter entfernt an eine Leberform erinnern und weil sie eine nachgewiesene medizinische Wirkung haben. Im Mittelalter folgerte man daraus, daß sie eine Medizin gegen Leberkrankheiten abgeben. (Gott hat, so glaubte man, bestimmten Heilpflanzen charakteristische Formen gegeben, damit sie damit ihren Einsatzzweck anzeigen).
Das Leberblümchen wirkt gegen vielerlei Leiden, ist aber auch in allen seinen Teilen giftig (wie so oft bei Heilpflanzen). Ein Hautkontakt kann reizend wirken. Nur getrocknet sind die Pflanzenteile harmlos.
Der botanische Name Hepatica ist entsprechend auch aus dem griechischen Wort für Leber "Hepar" oder "Hepatos" abgeleitet.
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