Genauso wie die Kamera sehnt sich auch das Auge nach Elementen, die im überwiegend grünen Meer des Gartens Halt und Form geben. Schöne Blüten und Blätter sind wunderbar, aber eben nur von nahem. Das Gesamtbild von weitem schaffen erst die prägnanten Strukturelemente.
In diesem Film sind es vor allem die mutig weißen Mauern, die eine sehr markante Struktur schaffen. Sie leuchten ganzjährig durch das Grün des Gartens, definieren auch im Winter klar dessen Formen.
Auch hat Herr Klingenberg zum gleichen Zweck einige Rhododendronbüsche entlang der seitlichen Bepflanzungstreifen verteilt. Sie schaffen Volumen im Winter und mit ihrem dunkelgrünen Laub im Sommer Ruhepunkte für das Auge.
Regel 4: Feste Formen mit weichen Formen brechen
Ein sehr beliebtes Prinzip, welches wir der englischen Gartengestaltung in der Tradition von Gertrude Jekyll und Vita Sackville-West verdanken.
Die beschriebenen „harten“ Strukturelemente, meist aus festen Materialien, werden dabei mit weichen, sommergrünen Pflanzen umspielt, so daß diese in die festen Linien hineinwachsen und sie auf- und unterbrechen.
Daraus entsteht ein spannender Kontrast zwischen hart und weich, zwischen menschengeformter Kultur und freiwüchsiger Natur.
Dieser Kontrast erscheint uns immer reizvoll, denn er macht das eigentliche Wesen des Gartens aus: die kontrollierte Natur, ihr ständiges Aufbäumen dagegen, und die Kunst, dieses Aufbäumen gestalterisch zu beherrschen und zu lenken.
Kein Wunder, daß dieses Erfolgsprinzip guter Gestaltung eigentlich allen Gartenarchitekten so in Fleisch und Blut übergegangen ist, daß sie es fast automatisch umsetzen. Man sieht es in eigentlich allen unserer Gestaltungsfilme.
Französische Gärten, japanische Gärten, minimalistische Gärten wären dagegen Konzepte, die dieses Prinzip gar nicht verlangen. Es kommt eben vor allem aus der englischen Gartentradition, und in Deutschland haben wir diese bekanntlich heute am liebsten.
Im Film deutet Herr Klingenberg darauf hin, wie die harten Linien der Betonmauern sich in Zukunft mehr und mehr von niedrigen Stauden überwallen lassen sollen, so daß genau dieser Effekt der kontrastierenden Formen sich einstellt.
Regel 5: Bepflanzungskonzept in 2 Teilen
Die Gartenbepflanzung sollte man immer so planen, daß ein Teil vor allem am Winteraspekt ausgerichtet ist, der andere Teil die Sommereffekte inszeniert.
Herr Klingenberg spricht die raumbildenden Elemente seiner Gestaltung an. Das sind neben den höherwachsenden Bäumen und den Hecken auch die immergrünen Sträucher wie Rhododendron, die vor allem im Winter dafür sorgen, daß immer noch genug Volumen zu spüren ist.
Erst wenn der Winteraspekt ausreichend geplant und gepflanzt ist - die „Pflicht“ - sollte man sich der „Kür“ zuwenden, dem Sommergeschehen. Denn auch hier gilt, ähnlich wie schon oben beim Thema der Strukturelemente, daß die meisten Gärten ihren Winteraspekt vernachlässigen.
Bepflanzung, Struktur, Winteraspekt - immer wieder kommen wir also auf die Themen zurück, die das Gartenerlebnis vom Haus aus bestimmen. Und damit zurück zur goldenen Regel der Gestaltung des Gartens vom Haus her!
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