a) die Pflasterung
In einem kleinen Garten, wie im Filmbeispiel, läßt sich die gefühlte Länge einer Achse noch dadurch verstärken, daß die Pflasterung den Liniencharakter aufgreift und verstärkt.
Hier sorgen dafür die eingelassenen zwei Bänder aus kleinen Granit-Mosaiksteinen. Sie kontrastieren farblich mit den helleren Quarzit-Platten und schaffen dadurch den prägnanten Liniencharakter.
b) die Eiben
Damit eine Achse im Garten aber beim Durchschreiten nicht langweilig wird, bekommt sie praktisch immer eine gleichmäßig arrangierte Begleitmusik auf beiden Seiten. Diese Musik kann aus festen Materialien sein, z.B. als Pergola oder Stelen-Reihe, oder eben aus Pflanzen mit formalem Charakter.
Dazu bieten sich gut die sogenannten Formgehölze als, am besten die immergrünen. Dann bleibt die Achse auch im Winter dekorativ. Die klassische Wahl geht also in Richtung von Buchsbaum oder Eibe. Beide lassen sich gut in eine strenge Form schneiden.
Dabei arrangiert man die seitlichen Begleitelemente der Achse so, daß sie der Effekt der Länge mit unterstützen. Sie tun dies, indem sie in perfekt gleichmäßigem Abstand über die gesamte Strecke der Achse angeordnet werden. So bekommen auch sie einen linearen Charakter und verstärken den Gesamteindruck.
Eiben wachsen dabei natürlich noch etwas stärker als Buchsbaum und gehen unvermeidlich jedes Jahr ein bißchen mehr in die Breite und Höhe. (Man kann Formgehölze nicht dauerhaft in einer Größe halten, es gibt immer einen kleinen, unvermeidlichen Jahreszuwachs!).
In einem kleinen Garten wird man daher irgendwann die Pflanzen austauschen müssen, wenn sie für die Anlage zu groß gewachsen sein sollten.
Reizvoll im Filmbeispiel ist die geschwungene Kegelform der Eiben. Der leicht aufrechte Charakter bildet einen guten Widerpart zur horizontalen Linie der Pflasterung. Weniger gut wären da z.B. Kugelformen, die nicht diesen linearen Charakter aufgreifen und variieren.
2. Die freien Elemente
Und jetzt kommen die freien, natürlichen Elemente als Kontrastprogramm dazu: der Thymian, die Rosen und die Stauden.
a) der Thymian
Er bildet die erste, unterste Etage über der Pflasterung. Sein Thema handelt von gutem Duft und mediterraner Herkunft. Damit setzt er eine Botschaft der Sinnlichkeit dem strengen, nüchternen Wesen der Achse entgegen.
Daraus entsteht ein spannender Kontrast. Dieser wird auch optisch manifestiert, indem der Thymian sich frei in den strengen Pflasterweg hinein ausbreiten darf. Er bricht also die formalen Linien an vielen, unregelmäßigen Stellen.
Damit zieht er das Auge an und gewinnt viel Aufmerksamkeit, die er anderswo, an unregelmäßigen Gartenbereichen wohl kaum bekommen würde. So wird der kleine, eher unauffällige Thymian zu einem wichtigen und prägenden Teil der Gestaltung.
b) die Rosen
Über dem Thymian entfalten sich dann ebenso frei und ebenso sinnlich die englischen Rosen. Sie greifen das Thema des Thymians auf, indem auch sie vor allem für ihren Duft geschätzt werden. Damit wird das Dufterlebnis zu einem gut überlegten Gestaltungsprinzip dieser Achse.
Auch die Rosen dürfen sich frei und üppig in die strengen Linien der Pflasterung hinein ausdehnen. Sie tun es dabei immer vor dem dunkelgrünen Hintergrund der Eiben. So kommen ihre eleganten Blütenfarben und -formen noch besser zur Geltung.
Der Thymian muß dabei kaum fürchten, von den Rosen überwachsen zu werden, weil er sich ohnehin am wohlsten in Polsterform auf den Steinplatten fühlt und daher von dort her immer genug Licht und Sonne abbekommt.
So ergänzen sich diese zwei frei wachsenden Komponenten der Gestaltung inhaltlich und optisch sehr gut miteinander.
c) und weitere Komponenten
Interessant ist noch die Ergänzung der auffallend weiß-panachierten Bart-Iris. Ihre schlank-eleganten Blätter mit leuchtendem Weißanteil kommen vor und zwischen den dunklen Eiben besonders gut zur Geltung.
Auch diese Iris sind als formales Strukturelement in perfekt gleichen Abständen über die gesamte Länge der Achse jeweils mittig zwischen die Eiben gepflanzt. Ihr aufrechter Charakter liefert wieder ein Kontrastprogramm zum horizontalem Linienverlauf der Pflasterung.
Und viele weitere Stauden werden dann noch als Begleitthema zu den Rosen eingesetzt. Sie liefern Ergänzungsbilder in Farben und Formen zu den Rosenblüten. Ihren wallend-üppigen Wuchs kontrollieren aber wieder die strengen, dominanten Eiben.
So wird der Kontrast aus weichen, natürlichen Formen und einem strengen, architektonischen Rahmen zum Leitmotiv dieser gelungenen Achse. Gute Gartengestaltung baut hier auf ein wohlüberlegtes Konzept aus wenigen, aber passenden Bausteinen auf.
Wir finden: es lädt zum Nachmachen - und kreativen Variieren! - ein.
> siehe auch Begleittext zum zweiten Filmteil
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