Ein Garten des Südens - Teil 1

vom 01. Okt. 2010
Mediterranisierende Gestaltung und Pflanzenwahl mit Prof. Hans-Dieter Warda im Arboretum Ellerhoop
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TEXT UND INFO ZUM FILM

Drehort:
Norddeutsche Gartenschau im Arboretum Ellerhoop, Schleswig-H.
Länge:
8 Min.
Filmkatalog:Ideen
Moderator:
Marc Albano

Zunächst eine Aufstellung der interessanten Pflanzen, die im Filmteil 1 (unbenannt) zu sehen sind.

Juniperus chinensis ‘Spartan’ / Zypressen-Wacholder (bei 00:34) - Man sieht zwei hohe, zypressenartige Säulenbäume rechts im Bild als Eingang zu diesem Themengarten. Diese Säulen sind Zypressen-Wacholder, genau wie diejenigen, die wir etwas später im Film zeigen und benennen. Prof. Warda empfiehlt diese Wacholder als gut geeigneten Ersatz für das typisch mediterrane Bild der echten Zypressen.

Ipomoea / Zierwinde (bei 00:42) - Die großen Blätter der Pflanze, die an der ersten Säule des Pavillions emporwachsen, gehören einer blaublühenden Zierwinde. Leider ist die üppige Blüte zum Drehzeitpunkt Anfang Oktober schon beendet.

An der Säule links daneben wächst eine Bougainvillea / Drillingsblume empor.

Cordyline australis purpurea / Keulenlilie (bei 00:50) - Eine prächtige Yucca-artige Kübelpflanze, hier mit elegantem, roten Blatt. Verträgt nur ganz leichten Frost.

Tibouchina urvilleana / Prinzessinnenstrauch (bei 01:08) - Längst bekannte und verbreitete Kübelpflanze, die vor allem durch ihre üppige und unermüdliche Blüte bis in den Herbst begeistert. Muß aber regelmäßig zurückgeschnitten werden, sonst verkahlt sie schnell und wird dürr und häßlich.

Pennisetum setaceum ‘Kupfer’ / Federborsten-Gras bzw. Rotes Lampenputzer-Gras (bei 01:14) - nicht winterhartes Ziergras, macht sich hervorragend in jeder Gartensituation, am besten nah an Haus und Terrasse.

Im Filmteil 2 sehen wir es auch zusammen mit einem anderen, einjährigen Lampenputzer-Gras am Rand des Wasserbeckens. Die Blüte wiegt sich wunderbar im Wind und schafft so immer Bewegung und Leben im Garten.

Buxus sempervirens / Buchsbaum und Helichrysum petiolare ‘Nana Silver’ / Lakritz-Strohblume oder Silberblatt (bei 01:41) - Eine streng geometrische Umpflanzung des Wasserbeckens mit niedriger Buchshecke in Rautenmotiv, dazwischen kontrastierend das Silberweiß einer flachen, einjährigen Blattpflanze.

Verbena bonariensis / Eisenkraut (bei 02:06) - kein mediterraner Garten ohne diese Pflanze! Eigentlich überhaupt kein Garten ohne sie! Wir haben sie schon in vielen unserer Filme gesehen und angesprochen.

Ipomoea batatas ‘Terrace Lime’ / Süßkartoffel (bei 04:29) - Auffällige, gelbblättrige Balkon- und Terrassenpflanze mit überhängendem Wuchs. Die großen, leuchtenden Blätter ersetzen und überstrahlen in ihrer Farbwirkung leicht jede Blüte.

Der kräftig grüne Blattstrauch dahinter ist eine Duft-Pelargonie, Pelargonium graveolens. Das ist eine Art lebendige Aroma-Therapie im Freien: im Vorübergehen berührt man das Blatt mit der Hand und genießt dann einen wunderbaren, zitronigen Duft.

Salvia farinacea ‘Victoria’ / Mehl-Salbei (bei 05:42 und 07:53) - Das ist das prächtige Blau in langen, aufrechten Blütenständen in den Kübeln vor den 3 Raketen-Wacholdern. Taucht auch noch an vielen anderen Stellen in diesem Themengarten und in unserem Film auf.

Und jetzt zum Thema der Gestaltung:

Der „italienische Garten“ = ein Garten der Renaissance

Schon seit 500 Jahren wird die italienische Kunst der Gartengestaltung von sehnsüchtigen Nordeuropäern über die Alpen hinweg importiert - nach Deutschland, nach Frankreich, England, Osteuropa.

Dabei hat sich vor allem ein Bild als „typisch italienisch“ festgesetzt, nämlich das der legendären Renaissance-Gärten. Die italienische Kultur blühte in dieser Epoche in all ihren Facetten auf und ließ neben den bildenen Künsten und spektakulärer Architektur auch eine eigene Architektur der Gärten in höchster Kreativität entstehen.

Diese Renaissance-Gärten bedienen sich eines festen Satzes von Gestaltungselementen - der insofern sehr hausgartenfreundlich ist, als daß er sich auch auf kleinster Fläche reproduzieren läßt. So „funktioniert“ auch der Garten des Südens von Prof. Warda, obwohl er nur eine winzige Fläche im Arboretum Ellerhoop einnimmt.

Zu den Pflichtelementen eines italienischen Gartens gehören dabei die strenge Geometrie und Symmetrie, der Einsatz von Naturstein und von Formhecken, die Verwendung von Wasser, und schließlich noch - eher von romantischen Nordeuropäern hinzugedichtet - eine üppige Bepflanzung.

1. Strenge Geometrie und Symmetrie

Die Renaissance stand ganz im Zeichen der Überwindung von Irrationalität. Als irrational wurde der angstbestimmte Gottglaube des Mittelalters mit all seinen Wucherungen in Kirche und Religion empfunden.

Gegen diese Welt der Unklarheit, Unerklärlichkeit und Unvorhersehbarkeit setzte die Renaissance ein Konzept der extremen Ordnung und Disziplin. Geometrie war das Element, womit sich der selbständig denkende Mensch gegen die wabernden Mächte des Jenseitigen und des Finsteren abgrenzen konnte.

Je strenger diese Geometrie, desto besser. Kreise, Vierecke, exakt gleichmäßige Abstände, präzise gespiegelte Achsen - hier durfte es keinen ungeplanten und unberechneten Winkel mehr geben, in denen sich noch irgendwelche Dämonen und Geister des Mittelalters verbergen konnten.

Verläßlichkeit und Ruhe wollte diese Gartengestaltung ausstrahlen. Ruhe verkörpert sich im Gleichgewicht, in der Symmetrie. Daher war eigentlich jedes Element des Gartens, vom kleinsten Detail bis zur längsten Achse, zu zwei oder vier Seiten hin gespiegelt und wiederholt.

Das mußte nicht langweilig sein. Ein ganzes Arsenal von geometrischen Formen wurden innerhalb der gespiegelten Gartenteile spielerisch verteilt und variiert. Aber alles stets unter einem wohlgeordneten konzeptionellen Dach.

2. Stein und Formgehölze

Um die auf dem Papier geplante Geometrie möglichst streng auch den dreidimensionalen Garten zu übersetzen, bediente sich die Renaissance-Gestaltung am liebsten der Mauern und Hecken.

Deshalb gehören Naturstein und Schnitt-Hecken in jeder Größe zum festen Inventar des heutigen italienisierenden Gartens. Das beginnt bei kleinen Einfassungen mit Stein oder Buchsbaum und geht bis zu hohen Hecken etwa von Eibe oder Hainbuche.

Formgehölze sollten aber auch solitär verwendet werden, z.B. Buchskugeln, -pyramiden, -kegel oder -säulen. Man kann auch Lorbeer als sommerliche Kübelpflanze gut in Formen schneiden. Dabei am besten jede Formpflanze sich spiegelgerecht zwei- oder mehrfach im Garten wiederholen lassen.

3. Wasser

Der spielerische Einsatz von Wasser ist ein ganz großes Thema der italienischen Gärten der Renaissance. Becken, Brunnen, Düsen, Fontänen - je üppiger und je phantasievoller, desto besser.

Das Geräusch von bewegtem Wasser ist das allererste Erkennungsmerkmal eines Renaissancegartens. Auch bei Prof. Warda im Arboretum Ellerhoop setzen die drei kräftigen Düsen des Wasserbeckens gleich beim Eintreten in den Garten ein markantes akustisches und optisches Ausrufezeichen: hier ist spielendes Wasser, also Lebensfreude, Lust und Genuß ... Italien eben.

Natürlich muß das Wasser aber auch streng geometisch gefaßt sein. Es gibt im Renaissancegarten keine natürlich geformten Bachläufe oder geschwungene Teichränder. Das Wasser kann sich nur und ausschließlich in einem Becken aus Stein vergnügen.

4. Strukturelemente

Eine italienisierende Stimmung schafft man sehr schwer nur mit den bisher genannten Gestaltungselementen. Erst ein Einsatz von Versatzstücken der klassischen bzw. klassizistischen Architektur, also Säulen, Tempel, Podeste, Statuen Balustraden usw., setzen den unverwechselbaren italienischen Akzent.

Man kann diese Elemente meist fertig kaufen - mehr oder weniger kitschig in ihrer Ausführung. Mit etwas handwerklicher Ambition kann man sich auch einen kleinen italo-griechischen Tempel selber bauen und dazu nur etwa die fertigen Betonsäulen hinzukaufen.

Dralle Putten oder Statuen von romantisch langgewandeten Göttinnen sind beliebt, aber nicht unbedingt dem Geist des Renaissancegartens entsprechend.

5. Kübelpflanzen

Das ist nun der Teil des Italiengartens, den wir Nordeuropäer uns einfach noch zum Renaissancekonzept hinzudichten - obwohl er eigentlich gar nicht dahingehört. Üppige Kübelvegetation, wie aus dem Füllhorn in den strengen Garten hineingestreut, das hätte die Renaissancegestalter angeekelt. Das wäre doch wieder die verhaßte Unordnung und Zufälligkeit.

Wir aber assoziieren so gerne den Süden mit Üppigkeit und überbordender Form und Farbe. Daher unsere Lust an den mediterranen Kübeln und Kübelpflanzen, die wir am liebsten in großer Zahl wie zufällig im Garten verstreuen. Gerade dieses Element der Unordnung ist es dabei, was uns am meisten anzieht - weil am südländischsten erscheint.

Also ein kleiner gestalterischer Zielkonflikt in dieser Sache ...

Auch spielt dabei unsere Programmierung auf das wohl erfolgreichste Gartengestaltungskonzept der Neuzeit eine Rolle - nämlich die bewußte Kombination einer einigermaßen strengen Gartengrundordnung mit einer kontrastierenden, üppigen Bepflanzung. Die Pflanzen sollen dabei die Grundordnung an Stellen kontrolliert durchbrechen und so Spannung und Dynamik schaffen.

Dieses Konzept kommt aber aus England und aus einer ganz anderen - viel jüngeren - Zeit. Daher verträgt es sich eigentlich so gar nicht gut mit der Welt der italienischen Renaissance.

Aber sei’s drum. Der Garten lebt und die Gestaltungsmoden auch. Am wichtigsten ist, daß man sich darin wohl fühlen, und zwischen farb- und duftkräftigen Kübelplanzen läßt es sich eben am besten in die ferne Wärme und Wonne des Südens hineinträumen.

So wie die Nordgärtner es eben schon seit 500 Jahren tun ...

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hallo guten tag wenn ich

hallo guten tag wenn ich grosse hohe cassia corymbosa im sommer haben will muss ich sie trotzdem im herbst zurückschneiden mfg wokan

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