Ein Bauerngarten im Herbst - Teil 1

vom 30. Sep. 2011
Prof. Hans-Dieter Warda über das prachtvolle Herzstück des Arboretums Ellerhoop
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TEXT UND INFO ZUM FILM

Drehort:
Norddeutsche Gartenschau im Arboretum Ellerhoop, Schleswig-H.
Länge:
9 Min.
Filmkatalog:Ideen
Moderator:
Marc Albano

Einen Bauerngarten legt man am besten nicht mit dem Kopf an, sondern mit der Seele. Trotzdem gehören ein paar Pflicht-Zutaten dazu.

1. Eine andere Weltsicht

Der Bauerngarten ist Seele und Sinneslust, Gefühl und Herz. Da wird nicht rationalisiert und bedächtig abgewogen, da wird aus dem Vollen geschöpft und aus dem Bauch gestaltet. Farbe, Opulenz, Pracht, Üppigkeit - das sind die wahren Maßgaben des Bauerngartens.

Dazu kommt ein Sinn für Harmonie, Ruhe und auch Spiritualität. Ein Bauerngarten hat immer eine klar definierte Mitte, von der aus sich die Welt in perfekter Symmetrie und Verläßlichkeit nach außen entwickelt.

Das ist in der heutigen Zeit eine Absage an all die verspielten Unregelmäßigkeiten und Dissonanzen der (post-)modernen Gestaltung im Garten. Noch immer dominieren diese ja das "moderne" Gartenbild, wie wir es auf allen Gartenschauen erleben können.

Der Bauerngarten ist dagegen im wahrsten Sinne klassisch. Und das findet heute nicht durch Zufall immer mehr Zuspruch. Je unruhiger und sorgenvoller die Zeiten werden, desto lieber besinnt man sich auf die "ewigen" Werte in der Gestaltung: Ebenmaß, Gleichgewicht, Ruhe. Dazu eine ehrfurchtsvolle Aufwertung der Natur und Natürlichkeit.

Das alles ist der Bauerngarten. Er ist nicht einfach eine hübsche, romantische Idee, er ist in Wahrheit eine ganze, alternative Weltsicht.

2. Lage und Rahmen

Ein Bauerngarten muß eine feste Struktur haben, die traditionell aus quadratischen oder rechteckigen Formen besteht. Daraus ergibt sich auch für den Gesamtumriß dieses Gartens eine Quadrat- oder Rechteckform.

Idealerweise schließt sich diese Form unmittelbar an ein ländliches Gehöft an. Zu den übrigen Seiten bilden dann gerne Obstbäume einen Rahmen, der zu zwei Jahreszeiten noch ergänzende Effekte liefert: die Blüte im Frühjahr, der Fruchtschmuck im Herbst.

Holzzäune, höhere Hainbuchen-Hecken, Holzschuppen und dergleichen ergänzen das stimmungsvolle Bild. Niedrige Trockenmauern aus Bruchstein oder Findlingen können dem Garten auch einen besonders markanten Rahmen liefern - und dazu auch gleich ein günstiges Mikroklima.

Aber der Bauerngarten kann auch isoliert ohne Hausanschluß liegen. Mit solider Rahmung (Zaun, Hecke, Mauer) kann er einfach "im Feld" liegen und seinen Charme aus der Stille und Weite der umgebenden Natur ziehen.

In städtischer Umgebung wird der Bauerngarten zu einem etwas künstlich anmutenden "Themengarten". Hier wäre es angeraten, den Sichtkontakt zu Haus und Stadt mit Hecken oder Obstbäumen zu brechen, um der Illusion mehr Geltung zu verschaffen.

3. Struktur

Typisches Merkmal der heimischen Bauerngärten ist die Buchsbaum-Einfassung. Sie gibt in strengen, geometrischen Formen dem Garten eine klar definierte Struktur. Diese immergrüne Struktur bleibt auch im Winter dekorativ erhalten. Auch dann bietet der Garten, zum Beispiel von oben aus dem Haus heraus gesehen, ein ansehliches Bild.

Die niedrige Buchsbaumhecke gehört, wie Prof. Warda sagt, seit über 200 Jahren fest zum Bild des Bauerngartens. In einem anderen unserer Filme (zum Thema Buchsbaumschnitt) erklärte man uns im Freilichtmuseum, daß der Buchsbaum eigentlich gar nicht zum historischen Bauerngarten gehört, sondern aus dem bürgerlichen Garten stammt.

Beide Sichtweisen haben ihre Gültigkeit. Die eine blickt eher auf die jüngere Geschichte des Bauerngartens, die andere auf die weiter zurückliegende Entwicklung. Im Mittelalter hatten die Bauern sicher eher Sorge um ein einfaches Überleben, als um eitlen Gartendekor.

Ob dann irgendwann die Bauern sich ihre Gartengestaltung bei den Stadtbürgern oder aber in den Klostergärten abgeschaut haben, bleibt ungeklärt. Daß jedoch der eigentliche Ursprung des heutigen Gartenbilds in jedem Fall aus den Klöstern hervor kommt, das liegt nahe. Denn die Struktur beider Gartenanlagen ist praktisch identisch.

Markantes Merkmal ist dabei vor allem der eindeutige Gartenmittelpunkt, meist angelegt in kreisrunder Form und mit einer besonderen gestalterischen Betonung. Dazu dienen zum Beispiel besonders auffällige und wertvolle Pflanzen (gebettet in einen Buchsbaum-Ring) oder auch harte Materialien, wie etwa ein Brunnen aus Stein.

Von diesem Mittelpunkt aus entwickeln sich dann in Kreuzform die 4 Hauptwege nach außen. Von ihnen gehen im rechten Winkel Nebenwege ab, die beliebig viele eckige Beete erschließen. Wege und Beete sind immer in perfekt gespiegelter Symmetrie vom Mittelpunkt und den 2 Hauptachsen aus angelegt.

Die Buchsbaumeinfassung kann das System von Wegen unterschiedlich akzentuieren, indem sie in verschiedenen Höhen geschnitten wird. Etwa ließe sich der letzte, nach außen liegende Heckenstreifen markant höher und breiter gestalten als die weiter innen liegenden Einfassungen.

Die Wege zwischen dem Buchsbaum deckt man am stimmigsten mit einfachem Kiessand, statt mit einer Pflasterung.

4. Pflanzen

Je doller, desto besser. Riesigblütige Pfingstrosen, Sonnenblumen und Dahlien, leuchtende Phloxe und Tagetes, bunte Teppiche aus Astern, Leuchtraketen von Gladiolen, Rittersporn und Stockrosen - all das bringt den Bauerngarten zum leben.

Maxime der Pflanzplanung ist zuerst ein pausenlos durchgehender Blütenkalender von den ersten Narzissen bis zu den letzten Winter-Chrysanthemen. Dabei ist darauf zu achten, eine Wirkung auf allen Etagen der Beete zu erzielen. Also auch viele hochwüchsige Blütenpflanzen mit einbauen.

Pastelltöne und diskretere Blütenformen passen eher nicht ins Bild. Die Farben sollten kräftig sein, und die Blüten auch. Am besten wählt man sowohl Stauden wie auch Einjährige, die mit robuster Blüte auch einen guten Nutzwert für die Vase haben. Der Nutzgedanke gehört immer fest zum Konzept des Bauerngartens hinzu.

Wer will, baut auch Gemüse und Kräuter mit ein. Unser Film zeigt, daß etwa ein hohes Gerüst für Stangenbohnen auch eine dekorative, dritte Dimension in den Garten bringt. Jedoch bildet das meiste Gemüse eine eher flache Erscheinung im Beet. Das kann die kraftvolle, optische Gesamtwirkung des Bauerngartens beeinträchtigen. Daher mag es sinnvoller sein, für die reinen Nutzpflanzen einen separaten Küchengarten anzulegen.

Unsere besondere Empfehlung: Rudbeckia triloba - Sonnenhut

Prof. Warda schwärmt für diese Pflanze, und wir tun es auch. Ihr ganz besonderer Reiz ist die Dankbarkeit. Man muß sich um sie überhaupt nicht kümmern, und doch ist sie jedes Jahr immer wieder da, blüht üppigst durch den ganzen Herbst hindurch und füllt das Beet mit viel optischem Volumen.

Sie gehört zu den Beetpflanzen, die den sparsamen Gärtner beglücken. Denn sie ist zwar einjährig, sät sich aber unermüdlich selber aus. Im späten Frühjahr findet man überall ihre kleinen Sämlinge zwischen den anderen Stauden. Man läßt sie einfach vor sich hin wachsen und kann im Sommer auch ganz nach Wunsch sie an verschiedene Stellen des Beetes versetzen, dahin wo gerade mal eine Lücke sich anbietet.

Ab September dann sorgt sie für viel Blütenmusik. Für die Vase schneiden wird man sie eher nicht, um nicht das erneute Aussamen zu verhindern. Aber sie blüht lange, bis zum Frost hin, und ihr kräftiges Gelb ist eine echte Herbstfarbe. Dabei sind die Blüten deutlich kleiner als beim Stauden-Sonnenhut, sodaß sie kaum aufdringlich wirken.

Nur eine Forderung stellt diese Pflanze: man muß ihre Sämlinge als solche erkennen. Denn leicht kann man diese aus Unkenntnis mit anderem Unkraut im Frühjahr auszupfen oder weghacken. Eigentlich ist der dreiblättrige Sämling aber markant genug, daß man ihn leicht erkennt. Und wenn man es einmal weiß, wird man es nie mehr falsch machen.

Wir empfehlen diese Pflanze, weil sie zu den unkompliziertesten, aber wirkungsvollsten Blütenbringern im Herbstbeet zählt.

5. Die Pflege

Ein Bauerngarten ist pflegeintensiv! Da sollen gerade romantisch verklärte Gartenanfänger sich keine Illusion machen. Überall im Bauerngarten ist der Boden weitgehend offen und dem Licht zugänglich. Entsprechend viel Unkraut wird kontinuierlich auflaufen und zu jäten sein.

Hinzu kommt die jährliche Anzucht von einjährigen Sommerblumen - auf deren Dauerblüte eigentlich kein Bauerngarten verzichten wollte und könnte (z.B. Zinnien, Löwenmäulchen, Tagetes, Cosmeen). Diese wollen im frühen Frühjahr auf der Fensterbank gesät, dann ab Mai ausgepflanzt werden.

Unverzichtbare Bauerngarten-Bewohner wie Dahlien und Gladiolen verlangen eine frostgeschützte Überwinterung mit entsprechendem Ein- und Auspflanzen im Frühjahr und Herbst. Zum Überwintern braucht man einen geeigneten Ort (kalt, aber auch nicht zu kalt).

Der Buchs will geschnitten werden, die Stauden gestäbt, der Boden gedüngt, gehackt, gemulcht - und ewig ruft das Unkraut. Der Bauerngarten ist ein Hobby der allerintensivsten Art. Die Bäuerin würde hier wohl täglich zugange gewesen sein.

Daher ist für Einsteiger wohl die beste Strategie, erst einmal klein anzufangen - mit einem Mittelpunkt und vier umliegenden Beeten. Bei Erfolg können dann an diese vier ersten Beete nach außen hin weitere Beete angegliedert werden. Die innere Struktur bleibt dabei unverändert.

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